Hilflos auf dem Operationstisch
Trotz blutrünstiger Effekte setzt Anatomie 2 auf Psychologie
Drei Jahre nach dem Erfolg von "Anatomie" lässt Regisseur Stefan Ruzowitzky wieder die Skalpelle blitzen. Im zweiten Teil der deutschen Horrorserie lauert das Böse in den Gängen einer Berliner Universitätsklinik, in der verbotene Experimente durchgeführt werden. Professor Müller-LaRousse (Herbert Knaup) träumt von einer neuen Herrenrasse und pflanzt seinen ihm ergebenen Studenten künstliche Muskeln ein, mit denen sie das Hundertfache ihrer Normalkraft erreichen können. Auch der Arztpraktikant Jo (Barnaby Metschurat) lässt sich davon verführen - er hofft, mit den Selbstversuchen seinem an Muskelschwund leidenden Bruder helfen zu können. Außerdem hat er sich in die hübsche Viktoria (Heike Makatsch) verguckt, die wiederum Professor Müller-LaRousse verfallen ist. Jo kann nicht ahnen, dass hinter dem Ganzen die Antihippokraten stecken, ein Geheimbund von machtgierigen Ärzten, die für ihre Zwecke im Wortsinn über Leichen gehen. Was folgt, sind heftige Mordszenen, die nicht gerade die Angst vorm Arzt nehmen. Schon die Eingangssequenz, in der August Diehl völlig benommen in eine Party platzt, um sich anschließend mit einem Skalpell selbst aufzuschlitzen, ist nichts für schwache Nerven. Gleichzeitig macht Ruzowitzky damit klar, dass er mit der Fortsetzung einen anderen Kurs verfolgt als mit Teil eins. Orientierte er sich vormals noch zu sehr an der Machart amerikanischer Teenie-Horrorfilme wie "Scream" oder "Düstere Legenden", ist ihm mit "Anatomie 2" ein völlig neuer Dreh gelungen. Hier erwacht kein Mörder mit Maske auf unerklärliche Weise zu neuem Leben. Im Vordergrund steht vielmehr die Angst, die für jeden Zuschauer nachvollziehbar ist und damit eine psychologische Dimension bekommt. Die Angst, die Kontrolle über seinen eigenen Körper zu verlieren, hilflos auf dem Operationstisch zu liegen und dem Willen skrupelloser Ärzten ausgesetzt zu sein. Durch die in kaltes Neonlicht getauchte Szenerie wird eine gespenstische Atmosphäre geschaffen, die das unangenehme Gefühl des Ausgeliefertseins noch verstärkt. "Anatomie" war mit mehr als zwei Millionen Zuschauern der erfolgreichste deutsche Film im Jahr 2000, weshalb es leicht war, sogar für die Nebenrollen die Crème der deutschen Jungstars zu verpflichten. Neben Heike Makatsch und August Diehl ließen sich Frank Giering ("Funny Games") und Wotan Wilke Möhring ("Das Experiment") künstliche Narben ankleben. Franka Potente, Star des ersten Teils, tritt in der Gastrolle einer BKA-Beamtin auf. Es gibt also etliche Schaueffekte, obwohl man mehr als einmal geneigt ist, den Blick von der Leinwand zu wenden, wenn es mal wieder blutrünstig zur Sache geht. Anatomie 2 Deutschland 2002, 92 Minuten, ab 16 Jahren, R: Stefan Ruzowitzky, D: Barnaby Metschurat, Herbert Knaup, Roman Knizka, Heike Makatsch, täglich im Autokino, Cinemaxx, Cinemaxx Harburg, Cinemaxx Wandsbek, Grindel, Hansa-Center, Mundsburg, UCI Smart-City, UFA-Palast



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