Wie heiratet man eine Familie ?
Bieder, aber treffend und lustig: Der US- Kassenknüller My Big Fat Greek Wedding erzählt vom Zusammenprall der Kulturen
Darüber lachten im vergangenen Kinosommer Millionen von Amerikanern: die amourösen Verwicklungen der Toula Portokalos, die sich von der bebrillten Bedienung im Restaurant ihres Vaters in einen Schwan mit College-Ausbildung verwandelt, dabei den Mann ihres Lebens trifft - und den wunden Punkt ihrer griechischen Familie.
Die nämlich hatte sich für ihre älteste Tochter eine andere Zukunft ausgemalt, als ausgerechnet die an der Seite des Yankees Ian Miller (John Corbett). Einen griechischen Mann sollte Toula eigentlich heiraten, griechische Kinder bekommen und für den Rest ihres Lebens mit dem Kochlöffel in der Moussaka rühren.
Aus dem Clash der Kulturen, die in einem Chicagoer Einfamilienhaus aufeinander prallen, modellierte Autorin und Hauptdarstellerin Nia Vardalos eine turbulente Komödie. Toulas vegetarischer Möchtegern-Gatte wird darin mit Lammspießen traktiert und hat mit seiner zukünftigen Verwandtschaft zu kämpfen. Der Bruder droht ihm: "Wenn du ihr weh tust, bringe ich dich um und lasse es wie einen Unfall aussehen." Und Tante Voula würde "die Goldmedaille gewinnen, wäre Nörgeln eine olympische Disziplin." Dazu fließt der Ouzo in Strömen, werden die Arme zum Sirtaki verschränkt und jede Menge Klischees in Schwung gebracht.
Dass man an der Liebeskomödie, die ziemlich bieder und genauso direkt den Hafen der Ehe ansteuert, dennoch seinen Spaß hat, liegt an den treffsicheren Bonmots, die Nia Vardalos ins Drehbuch gestreut hat. Und dass diese zünden, hatte die ehemals arbeitslose Hollywood-Schauspielerin vorher bereits auf einer Theaterbühne in Los Angeles erlebt.
In einer One-Woman-Show schlüpfte sie dort in zwölf verschiedene Charaktere und stellte die Turbulenzen ihrer eigenen "griechischen" Hochzeit nach. Immer vor begeistertem Publikum, in dem eines Abends auch Tom Hanks Ehefrau Rita Wilson saß. Sie bot sofort an, die Show als Film zu produzieren und trat damit eine Erfolgsgeschichte los, die das Märchen auf der Leinwand noch übertrifft.
Durch glühende Mund-zu-Mund-Propaganda kletterte die Komödie beharrlich die Charts hinauf und spielte mit 220 Millionen Dollar, das 44-fache der Produktionskosten, ein. Eine große Videopremiere und eine TV-Serie werden folgen. Und sogar eine Firma für Reinigungsmittel profitiert von der "Big Fat Greek Wedding"-Manie: Seit Toulas Vater Gus (Michael Constantin) auf der Leinwand beschwört, dass das Fensterputzmittel "Windex" auch gegen Warzen und andere Malaisen hilft, stieg der Umsatz kräftig an.
My Big Fat Greek Wedding USA 2002, 95 Min., ab 12 Jahren, R: Joel Zwick D: Nia Vardalos, John Corbett, Lainie Kazan, Michael Constantine, täglich im Abaton, Cinemaxx, Grindel, Holi, Kinopolis, Streit's, UCI-Kinowelt Othmarschen-Park, Zeise



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