Dienstag, 14. Februar 2012, 20:23

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Kino

"Mit 16 nannte ich mich Jane"

Die Regisseurin, Autorin und Hauptdarstellerin Nia Vardalos über ihren Film "My Big Fat Greek Wedding", harte Zeiten und Verwandte, die immer nur Lamm kochen wollen

ABENDBLATT: Mrs. Vardalos, kommt Ihnen das alles manchmal nicht wie ein Traum vor?

VARDALOS: Dieses Gefühl habe ich täglich, und ich muss mich immer noch kneifen, um sicher zu sein, dass ich wach bin. Mein Traum ist wahr geworden, und er begann mit einem Anruf von Tom Hanks. Ich weiß noch, wie nervös ich war. Aber er blieb ganz locker und sagte: "Hören Sie, uns gefällt Ihr Drehbuch, und wir würden es gern verfilmen." Ich antwortete mit stotternder Stimme, dass ich aber gern die Hauptrolle spielen würde. Ich habe es einfach ausgesprochen und dachte im selben Moment, ob ihn das nicht abschrecken würde. Aber Tom meinte nur: "Ja, darüber haben wir schon gesprochen. Selbstverständlich spielen Sie die Hauptrolle."

ABENDBLATT: Seine Ehefrau ist ja auch griechischer Abstammung.

VARDALOS: Ja, Tom hat in eine Familie eingeheiratet, die genauso ist wie im Film. Auch Tom wurde griechisch-orthodox und musste irgendwann einsehen, dass er nicht nur Rita geheiratet hat, sondern ihre ganze Familie. So ist das nun mal bei den Griechen.

ABENDBLATT: Wie hat sich Ihr Leben seit dem Erfolg verändert?

VARDALOS: Ich brauche mir keine finanziellen Sorgen mehr zu machen. Als Schauspieler lebt man eigentlich von einem Scheck zum nächsten. In den letzten sechs Jahren stand ich hauptsächlich auf der Bühne und verdiente damit zwischen 300 und 600 Dollar pro Woche. Ich war glücklich, weil ich immerhin meine Miete von 1000 Dollar im Monat bezahlen konnte. Aber wenn ich mir eine Jeans kaufen wollte, musste ich mindestens dreimal überlegen, ob ich es mir leisten könnte. Jetzt, wo ich weiß, dass Rita und Tom auch meinen nächsten Film produzieren werden, kann ich mein Geld auf die Bank legen, um meinem Mann schöne Geschenke zu machen.

ABENDBLATT: Sie machen sich im Film über griechische Bräuche lustig. Was sagten Ihre Eltern?

VARDALOS: Meine Eltern sind sehr aufgeschlossen, weil sie in Amerika auf viel Toleranz trafen. Sicher ist mein Daddy stolz, Grieche zu sein, während mein Mann gar nichts Griechisches an sich hat. Erst als er meiner Familie zuliebe den griechisch-orthodoxen Glauben annahm, schloss ihn mein Vater ins Herz. Danach sagte er zu Ian: "Jetzt siehst du aus wie ein richtiger Grieche."

ABENDBLATT: War es nicht sehr schwer, in Amerika als Griechin aufzuwachsen?

VARDALOS: Es gab tatsächlich eine Zeit, als ich mich nicht mehr dazu bekennen wollte. Mit 16 nannte ich mich Jane. Ich wollte genauso sein wie meine Freundinnen, die blond und sexy waren. Meine Verwandten, die den ganzen Tag anscheinend nichts anderes machten, als in der Küche Lamm zu kochen, gingen mir auf die Nerven. Erst mit 21 änderte sich meine Einstellung. Ich war plötzlich stolz, einem Volk anzugehören, das so etwas wie die Olympischen Spiele ins Leben rief.

ABENDBLATT: Der Film endet mit einer großen Hochzeit. Glauben Sie, dass das immer noch der Traum aller Mädchen ist?

VARDALOS: Er darf zumindest nicht an erster Stelle stehen. Zuerst muss man sich andere Träume erfüllen, sollte die Schule beenden, eine große Reise machen oder für eine Weile ins Ausland gehen. Ich glaube, das ist wichtig, um herauszufinden, wer man wirklich ist. Erst dann kann man sich nach einem Partner umsehen, mit dem man sein weiteres Leben teilen will. Ich bin diesen Weg gegangen und bin heute sehr glücklich.

Interview: MARKUS TSCHIEDERT

 

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