Dienstag, 14. Februar 2012, 21:43

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Kino

Besonnenheit, die Schule macht

Sanfte Strenge als Erfolgsrezept: Der Dokumentarfilm Sein und Haben zeigt auf erstaunliche Weise den Alltag in einer französischen Zwergschule

Nein, so richtig sauber sind Jojos Hände wirklich nicht. Trotzdem hält er sie selbstbewusst und ein wenig schlitzohrig hoch. Da sei doch noch überall Farbe, wendet Georges Lopez, Lehrer in einem kleinen Dorf in der Auvergne, ein. Geduldig erklärt er dem kleinen Jungen die Kunst des Händewaschens bis der Steppke, endlich überzeugt, im Bad verschwindet. Schon bald wird klar: In dieser Schule geht es nicht nur um Rechnen und Schreiben, sondern auch um praktische Lebenshilfe.

Georges Lopez unterrichtet an einer Schule, wie sie es in Frankreich noch viele gibt: nur eine Klasse, in der sich Kinder von vier bis elf Jahren, vom Kindergartenalter bis zum letzten Grundschuljahr, tummeln. Während die Kleinen Lesen lernen, haben die Großen Mathematik so einfach ist das. Der französische Dokumentarfilmregisseur Nicolas Philibert hat im Vorfeld 100 dieser Schulen besucht, um dann jene von "Matre" Lopez auszuwählen.

Ein besonnener, zurückhaltender Mann, der mit sanfter Strenge die Bagage um sich schart. Regisseur Philibert und sein dreiköpfiges Team scheinen für die Kinder fast nicht mehr zu existieren. Niemand versucht, eine Rolle zu spielen oder sich in den Vordergrund zu drängen. Und so werden die Zuschauer Zeugen des ganz normalen Schulalltags: Wie die Kinder mit einem Minibus eingesammelt und zur Schule gebracht werden, brav "Bonjour, Monsieur" rufen und dann ihre Plätze einnehmen. Mal backen sie einen Pfannkuchen, mal unternehmen sie einen Ausflug. Weinenden Neulingen spendet Lopez ebenso Trost wie jenen, die bald auf eine weiterführende Schule gehen sollen und sich vor dem Unbekannten fürchten, das auf sie zukommt. Philibert nimmt sich sehr viel Zeit für seine Beobachtungen. Die Kamera wird wenig bewegt; nur selten treiben Schnitte den Gang der Dinge voran. Und doch versetzt Philibert uns in Staunen. Es passiert nicht oft, dass ein Dokumenarfilm derart zu verzaubern weiß.

Sein und Haben Frankreich 2002, 104 Minuten, ohne Altersbeschränkung, R: Nicolas Philibert, täglich im Holi, Zeise

 

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