Florian Gallenbergers Historiendrama "John Rabe"
Bekennender Nazi mit humanistischen Idealen
Das mutige Agieren Rabes, den die "New York Times" als "Oskar Schindler Chinas" bezeichnete, musste unbedingt einmal erzählt werden. Oscar-Preisträger Gallenberger, der schon in "Schatten der Zeit" zeigte, dass er epische Stoffe liebt, kann sich auf einen zurückhaltend agierenden Tukur in einer großen Rolle verlassen.
Foto: Majestic
1937 soll John Rabe (Ulrich Tukur), Leiter der Siemens-Niederlassung in Nanking, China verlassen und nach Deutschland zurückkehren. Aber er will dem Land, das von der japanischen Armee bedroht wird, nicht den Rücken kehren. Als die Japaner das Werksgelände bombardieren, lässt er eine große Hakenkreuzfahne aufspannen. Die verängstigten Chinesen suchen darunter Schutz. Die Japaner stellen den Beschuss ein, weil sie die Flagge des verbündeten Landes erkennen. In den kommenden Wochen erleben die Bewohner von Nanking fürchterliche Kriegsgräuel. Rabe, der deutsche Diplomat Rosen (Daniel Brühl), US-Arzt Wilson (Steve Buscemi) und die Leiterin des französischen Girls College (Anne Consigny) bleiben und versuchen den Kriegsalltag erträglicher zu gestalten. Rabe organisiert eine entmilitarisierte Zone. 250 000 Menschen finden hier Schutz.
Ein unerhörtes und lange unbekanntes Stück Geschichte bringt Florian Gallenberger auf die Leinwand. Das mutige Agieren Rabes, den die "New York Times" als "Oskar Schindler Chinas" bezeichnete, musste unbedingt einmal erzählt werden. Oscar-Preisträger Gallenberger, der schon in "Schatten der Zeit" zeigte, dass er epische Stoffe liebt, kann sich auf einen zurückhaltend agierenden Tukur in einer großen Rolle verlassen. Leider wird der Grundton des mit 17 Millionen Euro aufwendig inszenierten Dramas zunehmend von Pathos geprägt. Man erfährt wenig über die psychologischen Hintergründe Rabes, der als bekennender Nazi von seinen humanistischen Idealen nicht abließ. Man hätte gern gewusst, wie er diese Gegensätze zusammenbrachte.




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