Dienstag, 14. Februar 2012, 20:42

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Kino

Das Aschenputtel des HipHop

Der Rap-Star Eminem macht in dem teilweise autobiografischen 8 Mile auch auf der Leinwand eine gute Figur

Das Herz schlägt ihm bis zum Hals. Die Scheinwerfer des Clubs sind auf ihn gerichtet. Jetzt kann er zeigen, dass er sich als Rapper nicht zu verstecken braucht, obwohl er weiß ist. Er nimmt das Mikro in die Hand, atmet tief durch - und findet keinen Anfang. Das ausschließlich schwarze Publikum johlt und grölt und will ihn nicht hören. Denn HipHop ist schwarz, und Weiße haben darin nichts zu suchen. Eine kleine Ewigkeit steht Jimmy (Eminem) hilflos auf der Bühne herum, dann dreht er sich um und läuft weg.

"Ich fühlte mich, als ob mein Leben vorbei wäre", erinnert sich Eminem. Der mittlerweile zum Superstar avancierte Rapper kennt das Gefühl, das Jimmy in dieser Szene des Films "8 Mile" erlebt, nur zu gut. Immer wieder hat er in seiner Teenager-Zeit an solchen Battles in den Clubs von Detroit teilgenommen, um sich zu beweisen und wenigstens hier den Respekt zu bekommen, den ihm das Leben vorenthielt.

Eminem, als Marshall Mathers in einem Kaff bei Kansas City geboren, wuchs zusammen mit seinem jüngeren Bruder bei seiner Mutter in Detroit auf. Der Vater hatte sich schon frühzeitig aus der Verantwortung gestohlen, Geld war nicht vorhanden, die Familie gehörte in die Kategorie "White Trash" und damit zum Bodensatz der Stadt. HipHop bedeutete für Leute wie Eminem mehr als ein Ventil, es war, wie er sagt, "das Leben".

Es ist deshalb kein Wunder, dass der Rapper in seinem Schauspiel-Debüt durch und durch überzeugt. "8 Mile" erzählt letztlich eine Geschichte, die sich zum Teil mit Eminems eigener Biografie überschneidet. Die 8 Mile Road in Detroit bildet die Trennlinie zwischen den besser gestellten Bürgern der Stadt und denen, die wenig oder gar nichts besitzen. Jimmy, seine Mutter (Kim Basinger) und seine kleine Schwester gehören zu denjenigen, für die die nächste Stromrechnung oder Monatsmiete schon das Aus bedeuten kann. Die Mutter versucht ihre Sorgen mit Alkohol und wechselnden Männerbekanntschaften zu vergessen, Jimmy, der tagsüber Schichten in einer Autofabrik kloppt, notiert seinen ganzen Frust auf kleinen Zetteln, formt sie zu Raps und präsentiert sie abends seinen schwarzen Freunden Future (Mekhi Phifer), DJ Iz (De' Angelo Wilson) und Sol (Omar Benson Miller). Die Teilnahme an den Battles wird zum Lebensinhalt, und Jimmy, der nach seinem ersten Total-Desaster fast aufgegeben hätte, kämpft weiter und sucht in dieser von Schwarzen beherrschten Domäne seinen eigenen Stil.

"8 Mile" hätte ein harter Film werden können. Einer, der unverbrämt die Brutalität, den Dreck und das Elend im Leben eines Jungen wie Jimmy hätte zeigen und damit authentisch wirken können. Doch "8 Mile" schielt nach einem großen Publikum und will vor allem die zahllosen Eminem-Fans nicht verschrecken. Deshalb hat Regisseur Curtis Hanson in erster Linie eine Aschenputtel-Geschichte in Szene gesetzt und darauf geachtet, dass sein Protagonist uneingeschränkt ein Sympathieträger bleibt. Das Viertel, die Clubs, ja selbst die Schlägereien (bis auf eine, in der Jimmy im Beisein seiner gellend schreienden kleinen Schwester zusammengeschlagen wird) wirken in bräunlich-gelbem Licht romantisiert, und Kim Basinger als Mutter ist mit ihrer Model-Figur und den perfekt sitzenden Jeans eine Hochglanz-Schlampe, bei der man schottischen Whisky, aber beileibe keinen No-Name-Fusel im Schrank vermutet.

Von Anfang an - und nicht zuletzt durch Eminems Biografie - ist klar, dass dieser Film gut enden wird. Und tatsächlich: Beim erneuten Battle-Antritt, bei dem Jimmy und sein Gegner sich schnaubend wie zwei Boxer gegenüberstehen, gewinnt Jimmy. Mit den Worten "Ich muss meinen eigenen Weg finden" verlässt er den Club und geht einsam die dunkle Straße hinunter. Im Hintergrund beschwört Eminems jüngster Hit "Lose Yourself" die Zuschauer, einmalige Gelegenheiten beim Schopf zu ergreifen und nicht aufzugeben. Das ist Amerika.

8 Mile USA 2002, 110 Minuten, ab 12 Jahren, R: Curtis Hanson, D: Eminem, Kim Basinger, Mekhi Phifer, Brittany Murphy, Evan Jones, Omar Benson Miller, täglich im Autokino, Cinemaxx, Cinemaxx Harburg, Cinemaxx Wandsbek, Grindel (OF), Mundsburg, UCI Othmarschen-Park, UCI Smart-City, UFA-Palast; Internet: http://movies.uip.de/8mile/

 

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