Dienstag, 14. Februar 2012, 20:09

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Kino

Immer den Finger am Abzug

In Bowling For Columbine begibt sich der Dokumentarfilmer Michael Moore auf die Spur eines Highschool-Massakers

Michael Moore ist ein Unikat. Dokumentarfilmer, Polit-Aktivist und sein eigener Hauptdarsteller, ein gemütlich dicker Typ, der jedoch nicht still sitzen kann, wenn er merkt, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Als 1989 ein profitables Unternehmen in Michigan Tausende Arbeitsplätze abbauen wollte, schulterte er seine Kamera und drehte die Doku-Satire "Roger & Me". Und auch nach dem Massaker an der Columbine-Highschool im April 1999, als zwei Jungen zwölf Mitschüler erschossen, forschte er nach den Ursachen. Er fand sie in einer Nation paranoider Bürger, die den Finger am Abzug hat, einem verängstigten Volk, das bis an die Zähne bewaffnet ist und wild entschlossen, seine Familien zu schützen. Nur vor wem?

Das wissen die Männer einer Bürgerwehr, die im Tarnanzug durchs Unterholz robben, ebenso wenig wie Hollywood-Star Charlton Heston, Frontmann der National Rifle Association, der sich im Interview als seniler Waffennarr und Rassist entpuppt.

Doch so schnell vergeht Moore das Lachen nicht, auch wenn die Statistik zum Gruseln ist: 11 000 Menschen werden jährlich in den USA erschossen - und Moore schafft es, die Brücke zwischen der Alltagsgewalt und dem kriegerischen Kurs der US-Regierung zu schlagen.

Dabei schießt er scharf um sich - mit Bildern, Worten und wütenden Montagen. Er rührt zu Tränen, wenn er zeigt, wie die Columbine-Schüler um ihr Leben liefen, ist schreiend komisch, wenn er eine "South Park"-Episode einbaut, und lässt das Lachen gefrieren, wenn er Jugendliche befragt, die mit Napalm experimentieren. Moore spürt Banken auf, die mit Gratis-Gewehren Kunden locken, Friseurläden, die Kugeln verkaufen und zerfleddert Nachrichtensendungen, die der Quote wegen die Angst schüren. Während die Mordrate um 20 Prozent gesunken ist, stieg die Dauer der Berichterstattung um 600 Prozent an.

Moores One-Man-Abrüstungsshow, die in Cannes ausgezeichnet wurde, ist ein entwaffnender Rundumschlag aus Interviews, Polizeivideos, Trickfilm-Sequenzen und TV-Ausschnitten. Unterhaltsamer Agitprop, mitreißend und voller Galgenhumor. Sie ist das Meisterstück eines engagierten Maniacs, der auf der richtigen Seite steht: bei den Guten.

Bowling For Columbine USA/Kanada/Dtschl. 2002, 122 Min., ab 12 Jahren, R: Michael Moore, täglich im Abaton (auch OmU), Zeise

 

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