Russisch Roulette gegen verordnete Fröhlichkeit
Komödie: "Die Kunst des negatives Denkens" von Bard Breien nimmt das Gutmenschentum gegenüber Behinderten aufs Korn
Geirr (Fridjov Saheim) sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl. Abfinden kann er sich mit seinem Schicksal kaum. Er verkriecht sich den ganzen Tag in seinem Zimmer, hört entweder Johnny Cash oder düstere Musik, betrinkt sich bis zum Augenstillstand und sieht Kriegsfilme. Sein Lieblingsfilm ist "Die durch die Hölle gehen" von Michael Cimino wegen der vielen Russisch-Roulette-Szenen mit Christopher Walken. Lillemor (Kari Simonsen) geht es nach einem Sturz in den Bergen nicht viel besser als Geirr. Sie trägt eine Stützkrause am Hals, die ihre Bewegungen ebenfalls deutlich einschränkt. Aber sie absolviert ihr Leben mit einem Dauergrinsen im Gesicht. Lillemor gehört zur Therapiegruppe von Tori (Kjersti Holmen). Deren Rezept ist einfach: Nimm das Leben von der besten Seite, egal, wie trostlos es ist. Weil Geirrs hübsche Frau Invild (Kirsti Eline Torhaug) die depressiven Stimmungen ihres Mannes nicht länger ertragen kann, lädt sie Tori und ihre Behindertentruppe zu sich nach Hause ein. Doch Geirr durchschaut die verordnete Fröhlichkeit schnell und wehrt sich mit allem, was er hat, gegen Toris Programm des guten Gefühls.
"Die Kunst des negativen Denkens" heißt die Komödie des norwegischen Regisseurs Bard Breien, der 2007 bei den Nordischen Filmtagen den NDR-Filmpreis gewonnen hat. Geirr ist sein Held und sein Sprachrohr, er reißt der ewig lachenden Therapeutin die Maske vom Gesicht und entlarvt ihr auf Lügen und Erpressungen basierendes Gutmenschentum.
Das Aufeinandertreffen des Defätisten Geirr mit der Gruppe der zwanghaft Fröhlichen inszeniert Breien als eine chaotische Entfesselung wirklicher Lebenslust mit Gruppenkiffen, versuchtem Geschlechtsverkehr und Russisch-Roulette-Spiel. Die Dompteuse des "Fühl dich gut" wird verjagt, jeder der Behinderten gelangt zu neuen Einsichten. Nach dieser Nacht ist für keinen der Personen das Leben mehr wie vorher - auch wenn sie immer noch an den Rollstuhl angewiesen oder gelähmt sind.
Brad Breien, der auch das Drehbuch zu seinem Film geschrieben hat, zeigt sich dabei als Realist mit rabenschwarzem Humor. Der nachsichtige, übervorsichtige Umgang mit Behinderten und die ihnen verordnete Fröhlichkeit ist ihm tief suspekt. Sein Rollstuhl-Held Geirr bringt das sarkastisch auf den Punkt, indem er über die Therapeutin Tori sagt: "Ich mag keine Frauen, die Krüppel toll finden."



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