Und ewig tanzt Marika Rökk
Kino als Lebensmittelpunkt: In Bellaria erzählt Regisseur Douglas Wolfsperger von Menschen, deren Leidenschaft alte Filme sind. Ein geglückter Balanceakt
Das Kino als Traumfabrik, als Möglichkeit, zwei Stunden lang der Realität zu entfliehen - das ist nichts Neues. Tag für Tag wird es, wie das Fernsehen, zu diesem Zweck benutzt. Auch im Wiener "Bellaria" treffen sich jene, die den alltäglichen Nöten entkommen möchten. Doch ist manches anders hier.
"Ich lebe nur in der Vergangenheit, denn Zukunft habe ich ja keine mehr", sagt eine Rentnerin, die ihre Nachmittage im "Bellaria" verbringt, um UFA-Filme der 30er und frühen 40er zu sehen. Sie gehört zum Kreis derer, für die das Kino im 7. Bezirk zum Mittelpunkt des Lebens geworden ist. Wenn Zarah Leander oder Marika Rökk, Hans Moser oder Willy Fritsch über die Leinwand flimmern, dann sind sie glücklich. Modernes Kino - und das bedeutet in diesem Fall alles, was nach 1945 gedreht wurde - will sie, wie der Rest des Publikums, nicht sehen. Zu realistisch sei das, was da gezeigt werde, so die einhellige Meinung.
Mit diesem Film über das "Bellaria" und seine Besucher ist Regisseur Douglas Wolfsperger ein Balanceakt gelungen. Die oftmals skurrilen Typen führt er nicht vor, sondern zeigt sie als Menschen mit tiefer Sehnsucht nach einer heilen Welt. Auch wenn ihre Leidenschaft für das Gestrige befremdlich erscheinen mag und bisweilen tragikomisch wirkt: Die "Bellaria"-Gänger haben einen echten Lebensinhalt. Millionen (nicht nur) ihrer Altersgruppe können das nicht von sich sagen.
Bellaria Deutschland/Österreich 2002, 100 Min., ohne Altersbeschränkung, R: Douglas Wolfsperger, täglich im Zeise



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