Majestätische Monster
Doku Mit "Eisenfresser" hält der einheimische Regisseur Shaheen Dill-Riaz ein Plädoyer für die Abwrack-Arbeiter, die in Bangladesch schuften müssen
Wie die riesigen Schiffswracks so dastehen, rostigen Ungetümen gleich, ohne Wasser unter dem Kiel, eingefangen in imposanten, erdfarbenen Totalen, strahlen sie majestätische Größe aus - und stille Melancholie. Man weiß: Sie haben die Meere der Welt befahren, Güter transportiert oder Menschen befördert; nun warten die Ozeanriesen am Strand von Chittagong im Süden Bangladeschs darauf, von Menschen unter lebensgefährlichen Bedingungen in ihre Einzelteile zerlegt zu werden.
Doch hier geht es nicht um die Schiffe, die - eigentümliche Ironie - aus den reichen Industrieländern stammen und den gesamten Eisenbedarf Bangladeschs decken. Hier geht es um die Wanderarbeiter aus dem Norden des Landes, Bauern, die nach Überschwemmung und Dürre vor dem Hunger flüchten. Auf den Werften der Bangladesh Shipbreakers Association wollen sie ein Zubrot verdienen, bevor es in wenigen Monaten zurückgeht zur Reisernte. "Lohakhor", Eisenfresser, heißen diese Tagelöhner, die sich für wenig Geld zu Tode schuften.
Regisseur Shaheen Dill-Riaz kommt aus der Gegend, schon früh wurde er durch Fotos auf dieses gefährliche Demontage-Business aufmerksam. 2005 erhielt er dann die Erlaubnis, auf der PHP-Werft, eine von vielen in Chittagong, vier Monate lang zu drehen. PHP steht für "Peace, Happiness and Prosperity" - Frieden, Glück und Wohlstand, ein unverschämter Euphemismus, der noch getoppt wird: Einmal fährt der Werftbesitzer im noblen Wagen vor. Weißer Anzug, großes Gefolge. Wie ein Pascha lässt er sich die Füße küssen und schwärmt, wie sehr er sich um die Arbeiter kümmere. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Lohakhor schleppen schwere Drahtseile, mit denen die Schiffe an Land gezogen werden, oder ächzen unter Eisenplatten, die aus den Rümpfen geschweißt wurden. Beim Lebensmittelhändler sind sie verschuldet, der Vorschuss ist aufgebraucht, der restliche Lohn wird einbehalten, am Schluss reicht das Geld nicht einmal zur vorzeitigen Abreise. Ausbeutung pur.
Dill-Riaz legt den Finger in die Wunde, beschreibt die Hierarchien, wirtschaftliche Abhängigkeit und soziale Folgen. Ein filmisches Plädoyer für die Rechte der Arbeiter.



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