Montag, 13. Februar 2012, 17:28

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Kino

Der erste weiße Rapper

Drama: Regisseur Thomas Roth kommt in "Falco" dem österreichischen Popstar sehr nahe - ein spannendes Porträt mit kleinen Schwächen

Im Moment des großen Erfolgs empfindet Falco keine Freude - er fürchtet die Vergänglichkeit und hat Angst: "Eines steht fest: Mich werden sie erst wieder ganz lieb haben, wenn ich ganz tot bin." Österreichs Superstar (1957-1998) hat im Film "Falco - Verdammt, wir leben noch!" gerade erfahren, dass er zum ersten Mal die Nummer eins in den US-Charts ist. "Das ist das Größte, was ein Rockmusiker erreichen kann. Ich weiß, dass man mich in Zukunft immer daran messen wird. Und vielleicht kann ich das nie mehr wiederholen", lässt Regisseur Thomas Roth den Musiker - dargestellt von Manuel Rubey - sagen. Das Biopic zeigt Leben, Aufstieg und Absturz des populären Ausnahmekünstlers.

Das tragische Ende des Sängers hat der Zuschauer von Beginn an vor Augen: Immer wieder wird er in die letzte Stunde im Leben des Johann "Hans" Hölzel hineinversetzt. Falco starb bei einem Autounfall am 6. Februar 1998 in der Dominikanischen Republik. Unfall oder Selbstmord? Spekulationen darüber gab es viele. Roths Film zeigt ihn an jenem Tag mit einem Auto vor einer Bar stehend, sich die Songs zum neuen Album anhörend und telefonierend - mit Freunden, die er zum 41. Geburtstag einlädt. Eine Augenzeugin, gespielt von Sängerin und Ex-Model Grace Jones, schildert ihre Beobachtungen. Den Geburtstag erlebt Falco nicht mehr. Er startet seinen Wagen, biegt auf die Straße ein, prallt frontal gegen einen Bus - der schillernde Musikstar ist tot.

In Rückblenden beschreibt der Regisseur das Leben eines innerlich zerrissenen Menschen - auf Fakten basierend, aber fiktiv in Szene gesetzt. Er zeigt Falco als kleinen Jungen in Wien Klavier spielend, später als jungen Bassisten vom Erfolg träumend. Schon damals bekennt der "Hans", dass er "immer alles" will. Er will zum Überflieger werden, lässt sich von DDR-Skispringer Falko Weißpflog zu seinem Künstlernamen inspirieren und kreiert sich zur Kunst- und Kultfigur Falco. Er will den Erfolg unbedingt, ist ungestüm. "Legen Sie sich niemals mit einem Journalisten an", bremst ihn sein Manager, nachdem sein Song "Der Kommissar" wie schon zuvor "Ganz Wien" zunächst auf Ablehnung stößt.

Doch der "erste weiße Rapper", wie er genannt wurde, lässt sich nicht aufhalten, landet Hits wie "Rock Me Amadeus" oder "Jeanny", verkauft Millionen Schallplatten. Auch jenseits der Bühne lieferte Falco immer wieder Stoff für Geschichten. Alkohol, Drogen, Exzesse, Beziehungen, eine Kurzzeitehe, eine vermeintliche Tochter und der spätere negative Vaterschaftstest - die Namen sind im Film geändert - sorgten für Schlagzeilen.

"Ich bin in allem ein extremer Mensch. Was ich mache, mache ich bis zum Exzess", sagt der Film-Falco, dem Darsteller und Mondscheiner-Sänger Rubey mit Pomade im Haar und diabolischem Blick sehr nahe kommt.

Auch wenn bisweilen ein wenig überzogen und klischeehaft wirkend, ist Roth ein spannendes und berührendes Porträt gelungen, das den Menschen hinter dem Star und dessen verletzliche Seite zeigt.

 

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