"8 Blickwinkel" auf ein Attentat: Nur solides Actionkino
Pete Travis bleibt mit seinem politischen Thriller zu oberflächlich
Es soll ein großer Tag für die Menschheit werden, ein großer Tag im Kampf gegen den Terror. US-Präsident Ashton (William Hurt) ist ins spanische Salamanca gekommen, um eine wegweisende Rede zu halten und eine Allianz des Friedens zu bekräftigen. Doch kurz nachdem er das Podium betreten hat, fallen Schüsse. Ashton fällt getroffen zu Boden, Panik bricht aus. Kurz darauf erschüttert eine Bombenexplosion die Altstadt. Tod und Verwüstung überall, und mittendrin Secret-Service-Agent Barnes (Dennis Quaid), der sich auf die Suche nach den Tätern macht.
An dieser Stelle endet die erste Episode, die die Ereignisse aus der distanzierten Sicht der Fernsehkameras zeigt, und Regisseur Pete Travis spult 20 Minuten zurück. Ein Kunstgriff, den er mehrmals wiederholt, um immer neue Perspektiven ins Spiel zu bringen, auf das sich Stück um Stück ein immer komplexeres Gesamtbild ergibt. Da ist ein Tourist (Forest Whitaker), der das Attentat eher zufällig mit seiner Digitalkamera festgehalten hat, ein spanischer Leibwächter (Edgar Ramirez), der eine dramatische Beobachtung macht, ein kleines Mädchen, das inmitten des Wirrwarrs von seiner Mutter getrennt wird. Und natürlich die Täter, deren wahre Ziele sich nur langsam erschließen.
Hektisch geht es zu in Pete Travis Verschwörungsthriller "8 Blickwinkel", der optisch und in Sachen Erzähltempo an die Fernsehserie "24" erinnert. Jede Episode hat einen Cliffhanger, (fast) nichts ist so, wie es zunächst scheint, und selbst den US-Präsidenten umgibt ein Geheimnis. Das ist einerseits recht unterhaltsam und auf 90 Minuten auch ordentlich verdichtet. Andererseits zwingt die zeitliche Begrenzung Travis zu einer Oberflächlichkeit, die für komplexere politische Zusammenhänge keinen Raum lässt und letztlich in das altbekannte Gut-Böse-Muster mündet. Das ist umso betrüblicher, als der Regisseur mit seinem Debütfilm "Omagh", in dem es um ein IRA-Attentat ging, seine Fähigkeit zu einer differenzierten Inszenierung bewiesen hat. "8 Blickwinkel" ist im Vergleich dazu lediglich handwerklich gut gemachtes Actionkino.



100. Geburtstag
Axel Springer
Branchenbuch Hamburg



Das Rätsel des Tages




