Dienstag, 14. Februar 2012, 16:00

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Kino

"Eine grausame Art zu arbeiten"

Der dänische Regisseur Ole Christian Madsen über "Kira", sein eigenes Leben und die Dogma-Schummeleien

ABENDBLATT: Ihr Film dreht sich um eine Frau, die aus der Psychiatrie wieder nach Hause kommt. Gehören moderne Liebesbeziehungen auf die Couch? OLE CHRISTIAN MADSEN: Ich wollte ein Kammerstück um große Gefühle mit einem Mann und einer Frau drehen. Das Thema ist sehr nah an meinem eigenen Leben dran, denn ich habe gerade eine schwierige Scheidung hinter mir. Wir leben in modernen Zeiten, verdienen Geld, bekommen Kinder, vergessen aber manchmal, uns über unsere persönliche Entwicklung miteinander auszutauschen. Das kann zu schwierigen, hoffnungslosen, unmöglichen oder schlechten Beziehungen führen. Manchmal entsteht so ein Druck, der wie Irrsinn wirken kann. Eigentlich geht es in meinem Film um das Thema: Ist Kommunikation zwischen Männern und Frauen überhaupt möglich? ABENDBLATT: Ist sie das? MADSEN: Man muss um die Liebe kämpfen. Aber das war nicht unser Motto. Es lautete: Was kann zwischen zwei Menschen alles passieren? ABENDBLATT: Sie haben vor "Kira" eine aufwendige TV-Serie gedreht. Was war die größere Herausforderung? MADSEN: "Kira" war eine intensive, fast schon grausame Art zu arbeiten, weil wir ständig diese heftigen Emotionen erzeugen mussten. Das sollte man nicht bei jedem Film machen, es ist zu unkontrollierbar und zu ungesund. "Kira" war meine bisher größte Herausforderung. Es ist sehr schwer, einen Film zu inszenieren, in dem so wenig geschieht. Trotzdem soll er funktionieren, und die Gefühle dürfen nicht ins Gegenteil umschlagen. ABENDBLATT: Was macht die Dogma-Idee attraktiv? MADSEN: Man kehrt zu den Wurzeln des Geschichtenerzählens zurück, benutzt nur die nötigsten Hilfsmittel. Und kommerziell gesehen erwartet niemand etwas von so einem Film. Das verschafft einem das Gefühl von wahrer Freiheit. ABENDBLATT: Ihr Kollege Særen Kragh-Jacobsen hat über die strengen Dogma-Regeln gesagt: "Wir schummeln alle ein bisschen." Und Sie? MADSEN: Er vielleicht, ich nicht. Nein, warten Sie. Mein Hauptdarsteller hat sich einen Anzug gekauft und ist in einem Auto gefahren, das ihm nicht gehört. Abgesehen von diesen "kleinen Missgeschicken" (!) habe ich aber nicht geschummelt. Interview: VOLKER BEHRENS

 

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