Dienstag, 14. Februar 2012, 17:36

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Kino

Mit besten Absichten

DRAMA: "1:1" will im Konflikt der Kulturen positive Zeichen setzen. Der dänische Film mit starken Darstellern ist mehrfach ausgezeichnet

Von oben nähert sich die Kamera einem Entwurf eines Stadtteils, der sich in eine real existierende Siedlung verwandelt, je näher die Kamera kommt. Es ist ein Vorort von Kopenhagen. Hier leben Mie (Joy K. Petersen) und der aus einer Palästinenserfamilie stammende Shadi (Mohammed Ali Bakier). Sie haben sich ineinander verliebt, aber das Leben um sie herum macht ihnen diese Liebe nicht gerade leicht. Mies Mutter unterstützt ihre Tochter zwar zunächst noch, als aber Mies Bruder Per nach einem Überfall lebensgefährlich verletzt im Koma liegt, spitzen sich die Umstände dramatisch zu. Der oder die Täter sind geflüchtet. Polizei und Medien ziehen angesichts der hohen Ausländerkriminalität auch bald Shadis Bruder in Verdacht.

Mies und Shadis Familien igeln sich ein, die beiden Liebenden werden zwischen den unterschiedlichen Interessen fast zerrieben. Als Shadi selbst vermutet, sein Bruder könnte etwas mit dem Verbrechen zu tun haben, geht er auf Distanz zu Mie. Die ist verzweifelt und enttäuscht.

Eine brandaktuelle Problematik hat Annette K. Olesen in ihrem dritten Spielfilm aufgegriffen. Die Dänin, die zuerst mit Dogma-Experimenten wie "Kleine Missgeschicke" auf sich aufmerksam machte, zeigt, dass auch ihr kleines Land beim Neben- und Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Traditionen keine Insel der Seligen ist. Der Film, von dem sie selbst tiefstapelnd sagt, er handele von "Rahmenbedingungen" und sei eine Geschichte "über Furcht", ist eine Variation zu "Romeo und Julia" - und noch vor dem Karikaturenstreit geschrieben worden.

Starke junge Schauspieler machen das Beziehungsdrama zu einem überzeugenden Ereignis, die Handkamera rückt ihnen auf die Pelle, da gibt es kein Entkommen. An manchen Stellen schimmern Drehbuchschwächen durch, wenn es um die Charakterisierung von Nebenfiguren geht. Man merkt dem Film, der bei den Nordischen Filmtagen gleich drei Preise gewann, manchmal sehr deutlich an, dass er unbedingt ein positives Signal in der aktuellen Diskussion setzen soll. Aber dagegen ist nicht viel zu sagen. Der Plan vom friedlichen Miteinander und die Wirklichkeit - es bleiben da noch eine ganze Menge Leerstellen aufzufüllen.

>> 1:1 Dänemark/Großbritannien 2006, 93 Minuten, ab 12 Jahren, R: Annette K. Olesen, D: Mohammed Ali Bakier, Joy K. Petersen, Subhi Hassan, Helle Hertz, täglich im Abaton; www.arsenalfilm.de/einszueins

 

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