Dienstag, 14. Februar 2012, 20:37

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Kino

Ein Musiker und Sozialist, der seine Ideale nie verriet

DOKUMENTATION: "Joe Strummer - The Future Is Unwritten" ist ein ungemein authentisches Porträt des Gitarristen von The Clash

Über den Weg gelaufen sind sie sich schon 1976. Julien Temple, der Filmstudent, hing damals mit Malcolm McLaren und den Sex Pistols ab, John Graham Mellor, der Diplomatensohn und Kunststudent, der sich Joe Strummer nannte, verkehrte in denselben Kaschemmen, in denen Rockmusik sich gerade erneuerte. Doch erst 1997 sahen beide sich wieder, durch eine zufällige Begegnung ihrer Ehefrauen. Daraus entstand eine enge Freundschaft und jetzt, vier Jahre nach Strummers Tod, eine zweistündige Hommage für den Gitarristen und Sänger von The Clash, der wichtigsten Punkband Englands.

Durch Temples Nähe zu Strummer und dessen Familie kam der Filmemacher, der 1978 mit "Absolute Beginners" einen der größten Flops der britischen Kinogeschichte gelandet hat, an unveröffentlichtes Archivmaterial, das "The Future Is Unwritten" eine besondere Authentizität verleiht.

Temple zeigt den Kettenraucher Strummer als einen wahrhaft linken Sozialisten, der niemals seine Ideale verraten hat. Auf der Höhe des Ruhms von The Clash löste er die Band auf, weil er zum einen mit Mick Jones, dem anderen Gitarristen der Band, total zerstritten war, aber auch, weil er mit dem unglaublichen Ruhm nicht zurechtkam. Strummer war ein Musiker für die kleinen Clubs, für die Enge und unmittelbaren, körperlichen Kontakt mit den Fans und nicht für die großen Stadien. Kurze Konzertausschnitte zeigen die Energie, die The Clash damals in den Clubs freisetzte und der Gruppe den Ruf einbrachte, eine der besten Livebands der Welt zu sein.

Neben dem spannenden Archivmaterial hat Temple ein paar Lagerfeuer inszeniert, an denen Freunde, Kollegen und Bewunderer von Joe Strummer sich über diesen Musiker, Denker und Dichter ausließen. Lagerfeuer deshalb, weil Temple und Strummer ihre intensivsten Gespräche an solchen Lagerfeuern hatten. Johnny Depp kommt hier ebenso zu Wort wie Steve Buscemi (mit dem zusammen Strummer in Jim Jarmuschs Elvis-Film "Mystery Train" spielte), Jarmusch selber und natürlich seine alten Weggefährten Mick Jones, Topper Headon und Clash-Manager Bernie Rhodes, der Strummer und Jones überhaupt erst zusammengeführt hatte.

Auch Bono äußert sich über die Clash. Er sagt, dass er immer noch sauer sei, dass es die Band nicht mehr gebe. Aber genau da liegt der Unterschied zwischen ihm und Strummer. Denn der hat sich immer wieder geweigert, The Clash zu reformieren und noch einmal die ganz große Gagen zu kassieren. Geld bedeutete ihm nichts. Nur einmal noch stand er zusammen mit Mick Jones auf der Bühne. Zehn Tage vor seinem plötzlichen Herztod spielte er ein Benefizkonzert für Feuerwehrmänner in der Londoner Town Hall - und natürlich auch den Song "London's Burning".

>> Joe Strummer - The Future Is Unwritten GB 2007, 123 Minuten, ab 12 Jahren, R: Julien Temple, täglich im 3001 (OmU); Internet: www.strummer-derfilm.de

 

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