"Der Versuch, ein Regisseur zu werden"
RALF WESTHOFF: Der Macher von "Shoppen" über Anfängerfehler, Single-Erfahrungen und 5000 glückliche Paare
Er ist studierter Wirtschaftswissenschaftler, arbeitete als Radioreporter und Nachrichtenredakteur, bis er sich dem Filmemachen zuwandte. Nach erfolgreichen Kurzfilmen (u. a. "Der Bananenkaktus") hat der Münchner Ralf Westhoff (37) mit "Shoppen" sein Kinodebüt herausgebracht.
Wie lange dauert für Sie ein halbwegs ergiebiges Gespräch? Länger als fünf Minuten, wie beim Speed-Dating üblich?
RALF WESTHOFF: Ich kann gern auf die Uhr drücken nach fünf Minuten, ich kann auch mit der Trillerpfeife pfeifen (lacht). Aber eine Begrenzung eines ersten Gesprächs macht manchmal schon Sinn.
Warum?
WESTHOFF: Wenn man schon mal das eine oder andere Blind Date hatte und sich dabei drei Stunden gequält oder nur angeschwiegen hat, überlegt man sich, beim nächsten Mal eine andere Form zu wählen - böse gesagt. Nach fünf Minuten darf man weiter, manchmal muss man weiter, und nur wenn sich beide sehen wollen, wird die Telefonnummer weitergegeben.
Partnervermittlungen dürften wenig begeistert sein, wenn sie Ihren Film und den Umgang mit dem Thema sehen . . .?
WESTHOFF: Es war nicht meine Intention, die Leute mit diesem Film in Speed-Datings zu schicken. Im Titel "Shoppen" klingt ja schon eine kleine Kritik an: dass man sich nicht mehr so verliebt. Wichtiger ist: Ich habe bestimmte Vorstellungen, die will ich erfüllt haben. Dann suche ich so lange, bis ich das finde, was ich suche. Das ist das Gegenteil von dem, wie es früher war - dass man den Menschen kennenlernt. Man weiß, ich will das, und das suche ich.
Spielt Ihr Filmtitel auch darauf an, dass man sich heute als Frau und als Mann besonders gut verkaufen muss?
WESTHOFF: Könnte man denken, aber für mich war es eher so: Ich such 'nen Partner so, wie ich zum Einkaufen geh. Ich erwarte, dass meine Ansprüche erfüllt werden.
Haben Sie selber mal an einem Speed-Dating teilgenommen?
WESTHOFF: Ich hab das Drehbuch geschrieben, ohne dort gewesen zu sein. Manchmal ist es besser, wenn man das Reale einfach ausblendet. Vor dem Dreh bin ich doch mal hingegangen. Das Gefühl, das ich dabei mit rausgenommen habe, war ein Gefühl der Überforderung. Das ist einfach zu viel! Zu viele Gespräche, zu viele Menschen.
Und inwieweit sind Ihre Single-Erfahrungen eingeflossen?
WESTHOFF: Ich kenn beide Seiten des Single-Lebens und weiß auch, wie es ist, wenn man allein am Sonnabendnachmittag durch Ikea wandert, und 5000 glückliche Pärchen suchen gerade ihre Gartenmöbel aus - ein Scheiß-gefühl. Aber das Single-Sein hat ja nicht nur schlechte Seiten, es hat auch diese große Freiheit, diese Wer-weiß-was-heute-noch-passiert-Komponente. Da kann ich überall ein bisschen reinfühlen, aber die 18 Personen in meinem Film konnte ich natürlich nicht aus eigenen Erfahrungen speisen. Vieles ist frei erfunden.
Besonders markant ist der Controller Thorsten, der mit Checkliste daherkommt . . .
WESTHOFF: . . . was im Film sehr überzeichnet aussieht. Lustig ist: In der Realität kommst du ohne solch eine Liste gar nicht aus.
Im zweiten Akt ist "Shoppen" wie ein Kammerspiel. Wieso?
WESTHOFF: Wir haben Sachen gemacht, die wir normalerweise nicht hätten machen dürfen, viel Experimentelles. Es hat eine epische Drehbuchstruktur. In dem Film steckt vieles drin, was nicht ganz leicht ist, auch dieser lange Block und dass sie überhaupt so viel miteinander reden. Im Film-Business heißt es ja immer: "Don't tell - show!" Alles, was du zeigen kannst, soll nicht im Dialog gesprochen werden, das ist ja ein Anfängerfehler. Aber es hat mir Spaß gemacht, diesen Anfängerfehler auszubauen bis zum Gehtnichtmehr.
Ist Ihr Film eine Art Rache, dass Sie an der Münchner Filmhochschule und weiteren Schulen abgelehnt wurden?
WESTHOFF: Wenn man wie ich keine Schule genossen hat, sollte man auch die Chance nutzen und dann nicht Regeln einhalten, die einem nicht beigebracht wurden. Eigentlich sollte man ja die Regeln kennen, um sie umstoßen zu können. Ich hab' Bücher gelesen, Filme geguckt und versucht, es selber hinzubekommen. Der Film ist der Versuch, ein Regisseur zu werden.



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