Dienstag, 14. Februar 2012, 20:44

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Kino

Zeitgenössischer Neandertaler in der Testosteron-Falle

Oliver Pocher als rüpelhaftes Großmaul in "Der Vollidiot"

Wer kennt sie nicht, die Pärchen bei Ikea, die auf der Couch Probe sitzen und deren Anblick einen unfreiwilligen Single vollends in die Depression treibt. Dank solcher Streiflichter auf alltägliche Zumutungen ist der Roman "Vollidiot" ein Bestseller geworden. Und womöglich hat Tommy Jaud sein Ulkbuch bereits mit Blick auf einen Film verfasst, der in dieser Woche mit TV-Comedy-Star Oliver Pocher anläuft.

Anfangs präsentiert sich die Komödie als die kölsche, männliche Antwort auf "Bridget Jones". Wo Bridget mit Cocktails ihren Paarungsfrust hinunterspülte, sumpft der Fast-Dreißiger Simon Peters allabendlich in Kneipen herum und ertränkt sein Selbstmitleid in Altbier. Die Freundin hat ihn verlassen, sein Job als Telefonverkäufer nervt, und der Gerichtsvollzieher ist ihm auf den Fersen. Ein Cluburlaub auf Gran Canaria, allein unter Händchen haltenden Verliebten, lässt die Stimmung auf den Nullpunkt sinken. Und als er sich unsterblich in eine schöne Kellnerin verliebt, führen seine Anmachversuche zum Super-GAU.

Indes gibt es keinen Grund für Mitleid, denn Simon ist ein Großmaul, Dummbabbler, Rüpel, kurz: ein zeitgenössischer Neandertaler in der Testosteron-Falle. Doch die Schnelldreher-Komödie schafft es nur bedingt, den Bewusstseinsstrom ihres Antihelden für die Leinwand zu übersetzen. Zwar wird Simons Gefühlschaos temporeich untermalt von Rückblenden, Tag- und Albträumen, geben Fernsehnachrichten parodistische Kommentare, stellt Leuchtreklame existenzielle Fragen wie "Was nun?". Doch wo manche Pointen herrlich komisch sind, sackt bei anderen Szenen der Humorpegel ins bodenlos Biedere. Ein weiteres Problem ist Oliver Pocher, der nur einen einzigen, nassforschen Ton draufhat und hier gilt: Immer nur pöbeln ist öde. Ansonsten ist die Besetzung mit Komödianten wie Anke Engelke effektiv. Doch gerade weil zwischendurch geniale kleine Gags vorkommen, erweckt das recht schwachbrüstige Ganze den Eindruck, dass mehr Satire drin gewesen wäre.

>> Vollidiot D 2007, 102 Min., ab 6 J., R: Tobi Baumann, D: Oliver Pocher, täglich im Cinemaxx, Cinemaxx Harburg, Cinemaxx Wandsbek, Grindel, Hansa-Studio, Studio-Kino, UCI Mundsburg, UCI Othmarschen-Park, UCI Smart-City; www.vollidiot-derfilm.de

 

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