Sonntag, 27. Mai 2012, 08:36

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Kino

INTERVIEW

"Ich denke nicht gern historisch"

GENA ROWLANDS: über "Paris je t'aime", ihre Rollenvorbereitungen und mögliche Fluchtmechanismen

Mit welchen Gefühlen haben Sie die Frau von Ben Gazzara gespielt?

GENA ROWLANDS: Wir Schauspieler hatten bei den Dreharbeiten eine wunderbare Zeit! Aber ich war beunruhigt, weil ich nicht wusste, wie ich in dieser Episode von Gerard Depardieu und Frederic Auburtin auf der Leinwand wirken würde. Mir hat der ganze Film aber wirklich gut gefallen. Viele der Probleme, die wir und die anderen bei den Dreharbeiten hatten, sind dann beim Schnitt gelöst worden. Bei der Premiere in Cannes alle diese Schauspieler zu treffen, die ich bisher nur als Zuschauerin kannte, war ein schönes Erlebnis.

Haben Sie für Ihre Figur einen detaillierten Lebenslauf erfunden, weil Sie nicht nur auf der Leinwand Geschichte erzählen wollen?

ROWLANDS: Ich habe mich nie als Autorin gesehen. Aber als man mir eine Episode mit Ben Gazzara vorschlug, habe ich nachgedacht, welche Liebesgeschichten Menschen in meinem Alter in Paris erleben können. Die Ideen habe ich aufgeschrieben.

Welche Erinnerungen haben Sie an Paris?

ROWLANDS: Ich glaube, dass jeder, der mal in Paris war, eine besondere Beziehung zu dieser Stadt entwickelt. Denn sie ist einfach unglaublich romantisch! Dabei geht es nicht nur um Schönheit, denn auch viele andere Städte sind attraktiv. Ich bin mit meinem Mann John Cassavetes zum ersten Mal Ende der 50er-Jahre nach Paris gekommen, und wir sind dann oft dorthin zurückgekehrt. Ich habe in Frankreich nie eine schlechte Zeit verbracht.

Da Sie so oft mit Ben Gazzara in den Filmen Ihres Mannes John Cassavetes gespielt haben, wirkt Ihre Episode in "Paris je t'aime" nicht wie ein kurzer, sondern wie ein langer Film, in dem viele Kinoerinnerungen mitschwingen.

ROWLANDS: Ganz genau, Ben und ich müssen nur in das Restaurant kommen, und schon scheint der Zuschauer die Vorgeschichte dieses Paars zu kennen. Das war aber keine bewusste Entscheidung. Doch schon als Ben und ich gemeinsam auf der Bühne standen, fanden uns viele Zuschauer besonders glaubwürdig, weil sie unsere gemeinsame Vergangenheit kannten. Ich mag es nicht so sehr, über mich selbst in historischen Dimensionen zu denken (lacht). Aber auch diesmal hat unsere gemeinsame Kinobeziehung den Zuschauern den Zugang zu dieser Kurzgeschichte erleichtert.

Haben Sie immer noch die leidenschaftliche, Beziehung zu Ihrem Schauspielerberuf wie zu Ihren Anfängen?

ROWLANDS: Ich bin immer noch verrückt danach. Ich liebe das Schauspielen. Wenn die Leute Wind davon bekämen, wie viel Spaß das Spielen macht, würden sie nichts anderes mehr machen wollen! Sein ganzes Leben lang andere Menschen zu verkörpern - das ist ein verdammt guter Fluchtmechanismus, oder? Aber man muss sich dabei auch intensiv mit sich selber auseinandersetzen, um eine Figur glaubhaft zu spielen. Also verschafft einem diese beim Spielen nötige Disziplin ein tieferes Verständnis seiner Mitmenschen. Als Schauspieler ist man ein ständiger Beobachter. Und das ist ein großes Vergnügen.

 

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