Perfekt inszenierte Todessehnsucht
MARTIAL-ARTS-DRAMA: Liebesleid und scharfe Schwerter in Shimoyamas "Shinobi"
Was passiert, wenn man "Romeo und Julia" mit "X-Men" kreuzt und eine Prise "Tiger & Dragon" hinzugibt, lässt sich in diesem Film von Ten Shimoyama besichtigen. Der Regisseur entführt uns in das Japan des Jahres 1614. Das Land ist endlich geeint, die "Zeit der streitenden Reiche" vorbei. Der Tokukawa-Shogun will den Frieden mit aller Macht sichern. Aber noch gibt es Menschen, deren Lebensinhalt der Krieg ist: die Shinobi. Wie die "X-Men" verfügen sie über außerordentliche Fähigkeiten. Fliegen ist hier keine Kunst, und schönen Frauen geht man besser aus dem Weg: Ein Blick, eine Umarmung - schon ist man dahingerafft. Solch Tötungs-Handwerk gilt jedoch als nicht mehr zeitgemäß. Darum bittet der Shogun die besten Kämpfer zweier verfeindeter Shinobi-Stämme zum Duell. Seine Absicht: Sie sollen sich gegenseitig auslöschen. Doch schon beim ersten Treffen verliebt sich die schöne Oboro (Yuki Nakama) in Gennosuke (Joe Odagiri). Kein Wunder, dass sie nicht mehr kämpfen wollen.
Die nun folgenden Kämpfe sind von einer Virtuosität, die jene aus "House of Flying Daggers" noch übertrifft. Natürlich hat bei vielen Szenen der Computer nachgeholfen - was ihnen einen kühlen, mitunter manierierten Look verleiht. Die Kälte der Bilder unterstreicht die Gefühllosigkeit der Krieger, die sich nur dem Töten verschrieben haben. Unter dem Mantel des Martial-Arts-Films werden darüber hinaus verschiedene Themen behandelt: die Sinnlosigkeit des Kämpfens, die Aufopferung des Einzelnen, die Auflehnung gegen ein Staatsgefüge, in dem man keinen Platz mehr hat. Unter diesen Bedingungen hat es die Liebe schwer, die Romanze zwischen Oboro und Gennosuke ist oftmals nur zu erahnen. Fast scheint es, als sei ihre Todessehnsucht noch größer als ihre Gefühle füreinander.
>> Shinobi Japan 2005, 107 Minuten, ab 16 Jahren, R: Ten Shimoyama, D: Yuki Nakama, Joe Odagiri, täglich außer Mi im 3001.



100. Geburtstag
Axel Springer
Branchenbuch Hamburg



Das Rätsel des Tages




