So könnte die Welt enden
SCIENCE-FICTION: In "The Children Of Men" entwirft Alfonso Cuaron die zutiefst verstörende Zukunftsvision eines Daseins ohne Kinder
London im Jahr 2027: Seit mehr als 18 Jahren wurde kein Kind mehr geboren - ohne dass jemand genau wüsste, warum. Die Menschen haben jede Hoffnung verloren. Jeder kämpft gegen jeden, Chaos und Gewalt überall. England ist darüber zu einer faschistischen Diktatur geworden, in der Ausländer und Verbrecher auf der Straße in Käfige gesperrt werden, um sie später fortzuschaffen. Obdachlose bewerfen vergitterte S-Bahnen mit Steinen, die wenigen Reichen verbarrikadieren sich hinter Stacheldrahtzäunen und Mauern aus Sandsäcken.
Als wir Theo (Clive Owen) zum ersten Mal sehen, verlässt er gerade ein Cafe, das kurz darauf in die Luft fliegt. Ungerührt geht er weiter. Zu alltäglich ist die Gewalt, um sie noch wahrzunehmen. Doch plötzlich wird er aus seiner Gleichgültigkeit gerissen. Seine ehemalige Geliebte Julian (Julianne Moore) entführt ihn, um ihn zu einer heiklen Mission zu zwingen: Er soll eine schwarze Frau, Kee (Claire-Hope Ashitey), außer Landes bringen, denn sie ist im achten Monat schwanger.
Der Mexikaner Alfonso Cuaron ("Y tu mama tambien", "Harry Potter und der Gefangene von Askaban"), entwirft nach dem Buch von P. D. James eine realistische und daher sehr beklemmende Vision der Apokalypse. Die Bezüge zur Gegenwart sind da: Ausländerfeindlichkeit, Terrorismus, Geburtenrückgang - Themen, die sich, manchmal ein wenig aufgesetzt und nicht immer logisch verknüpft, wie ein roter Faden durch den Film ziehen. Doch das eigentlich Erstaunliche an "The Children Of Men" ist sein Look, der an "Blade Runner" und "Die Klapperschlange" erinnert. Zerfallene Häuser, matschige Straßen, farblose Dekors, die Kälte und Zurückweisung ausstrahlen.
Kameramann Emmanuel Lubezki verleiht den Bildern eine graublaue Diesigkeit, die sich wie ein Schleier über den Film legt. Einmal raubt er dem Zuschauer den Atem: Lubezki verfolgt in einer minutenlangen Sequenz ohne jeglichen Schnitt, wie Theo und Kee sich ihren Weg durch Häuserfronten und Straßenschlachten bahnen. Für diese Virtuosität wurde er in Venedig mit dem Kamerapreis ausgezeichnet. Ein weiterer Höhepunkt des Films: Michael Caine als Spät-Hippie mit langen, weißen Haaren und stets gefüllter Hasch-Pfeife. Er hat sich vor der Welt in eine kleine Waldlichtung zurückgezogen. Doch auch hier gibt es kein Entrinnen.
>> The Children Of Men USA 2006, 108 Min., ab 12 J., R: Alfonso Cuaron, D: Clive Owen, Julianne Moore, tägl. im Cinemaxx, Cinemaxx Harburg, UCIs Mundsburg, Othmarschen-Park u. Smart-City; www.childrenofmen.de




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