Dienstag, 14. Februar 2012, 15:09

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Kino

Großvaters Geheimnis

Zwischen Roadmovie und Familiendrama: "Der Hals der Giraffe"

Kindermund tut Wahrheit kund. Auch wenn Erwachsene die oft nicht hören wollen, wie Safy Nebbous Filmdebüt "Der Hals der Giraffe" beweist. In bester Manier werden hier in einer aparten Mischung aus Schwere und ziseliertem Humor jahrzehntelang verhedderte Familienfäden entwirrt. Filmisch geht das in französische Gelassenheit, inhaltlich jedoch nicht ohne Reibungsverluste ab. Ihre Wahrheitsliebe macht aus der neunjährigen Mathilde (aufgeweckt: Louisa Pili) eine entfesselte Detektivin. Das Objekt ihrer Nachforschungen: der soeben ins Heim umgesiedelte Großvater. Unter seinen persönlichen Dingen fand sich ein Stapel Briefe, in denen die verschollene Großmutter - die ihn damals für seinen besten Freund verlassen hatte - Kontakt zu ihm und der gemeinsamen Tochter Helène, Mathildes Mutter, aufzunehmen versucht. Mit kindlichem Instinkt wittert Mathilde ein schlummerndes Familiengeheimnis und unbewusst die Chance, das klamme Verhältnis zu ihrer eigenen Mutter zu verbessern.

Hierfür nötigt sie Großvater Paul (Claude Rich) zu einer heimlichen Reise in die Vergangenheit nach Biarritz. Der Großvater-Enkelin-Diskurs wird in die Bahn verlegt. Das Familiendrama mutiert zum - krude realistischen - Roadmovie. In Biarritz trifft Paul auf die damals von ihm unterhaltene Buchhandlung "Der Hals der Giraffe". Seinen surrealen Namen verdankt der Laden Pauls Großvater, der seinerzeit in reichlich abstruser Logik die angebliche Sinnlosigkeit des Lesens mit der Länge eines Giraffenhalses gleichgesetzt hatte. In einer Ironie des Schicksals bringt das Lesen der Briefe nun auch sinnvolle Veränderung für Mutter Helène (Sandrine Bonnaire). Sie folgt den Ausreißern, reichlich Groll auf den verlogenen Vater, der ihr den Kontakt zur Mutter verwehrt hat, im Herzen.

Ohne die feine Kühle von Sandrine Bonnaire als alleinerziehender Mutter, die ihre unterschwellige Verzweiflung wohldosiert in hektischen Gesten und im Blick eines gehetzten Rehs offenbart, würde dieses Drama an seinem oft schleppenden Realismus ersticken. Die verfeinerte Spielweise, die sich Bonnaire zuletzt in "Die Frau des Leuchtturmwärters" und "Intime Bekenntnisse" zugelegt hat, und die äußerst muntere Louisa Pili retten den Film.

Der Hals der Giraffe F 2004, 84 Minuten, ab 12 Jahren, R: Safy Nebbou, D: Sandrine Bonnaire, Louisa Pili, Claude Rich, täglich im Holi und Koralle; Internet: www.lecoudelagirafe-lefilm.com

 

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