Dienstag, 14. Februar 2012, 14:11

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Kino

Lust aufs Leben im Angesicht des Todes

In "Emmas Glück" glänzen Jördis Triebel und Jürgen Vogel

Max (Jürgen Vogel) ist Autoverkäufer. Die Luxuskarossen, die er reichen Kunden andreht, könnte er sich nie leisten. Doch das ist sein geringstes Problem. Immer öfter leidet der einsame Kerl an Magenschmerzen. Die Diagnose: Krebs. Max hat nur noch wenige Monate zu leben. Kurz entschlossen klaut er die Barschaft, die sein Chef und einziger Freund vor dem Fiskus in einem Aquarium versteckt hält, steigt in einen der Jaguars und braust davon. Nur weg von hier. Doch schon am Stadtausgang fliegt Max aus der Kurve und landet kopfüber auf einem Bauernhof. Er gehört Emma (Jördis Triebel).

Die Zuschauer haben die junge Frau bereits kennengelernt: hübsch, eigen, verschroben. Ganz allein betreibt sie den verschuldeten, heruntergekommenen Hof und kümmert sich liebevoll um ihre Schweine. Sogar die Schlachtung hat bei ihr etwas Beiläufiges und Zärtliches. Als der Jaguar mit dem verletzten Mann und dem vielen Geld auf ihrem Hof landet, weiß Emma gleich, was zu tun ist. Sie nimmt das Geld an sich, verbrennt das Auto und pflegt Max gesund. Der weiß gar nicht, wie ihm geschieht.

Sven Taddicken ("Mein Bruder der Vampir") hat nach dem Roman von Claudia Schreiber einen ungewöhnlichen Spielfilm inszeniert - eine verspielte Mischung aus Skurrilität und Bodenständigkeit, aus Ironie und Poesie, aus Melancholie und Surrealismus. Eine Mischung, die viel zu selten ist im deutschen Kino. Der Humor kommt, dem Thema gehorchend, auf leisen, fast unmerklichen Sohlen daher, ist in den Gesten und Blicken der Schauspieler verborgen. "In dieser Geschichte geht es ums Eingemachte im Leben und ums irdische Glück. Bis zuletzt", sagen die Produzenten. Erst im Angesicht des Todes bekommt Max, von Jürgen Vogel hervorragend gespielt, Lust aufs Leben. Die Tragik, das Wissen um das schmerzhafte Ende, schwingt dabei immer mit. Manchmal gerät diese Gratwanderung zwischen Humor und Ernst aus dem Gleichgewicht - etwa, wenn Emma sich mit dem Gewehr einen Polizisten vom Leibe hält oder ein ruckelndes Mofa, wie in "Mädchen, Mädchen", zur Orgasmusmaschine umfunktioniert. Eine Entdeckung aber ist Jördis Triebel, die ihre Figur ebenso naiv wie durchtrieben, ebenso zufrieden wie sehnsuchtsvoll anlegt - der eigentliche Glücksfall dieses Films.

Emmas Glück D 2006, 103 Min., ab 12 J., R: Sven Taddicken, D: Jördis Triebel, Jürgen Vogel, Martin Feifel, im Abaton, Holi, Zeise.

 

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