Die Tierwelt schlägt massiv zurück
"Ab durch die Hecke" ist witzig animierte Zivilisationskritik
Waschbär Richie hat Sorgen. Der Grund ist groß, haarig, bedrohlich und heißt Vincent. Vincent ist Richies Problembär, seit der ihn dabei erwischt hat, wie er seine Vorräte stehlen wollte. Jetzt muß er die verlorengegangenen Sachen ersetzen, sonst geht es ihm an den Kragen. Davon ahnen die anderen Tiere nichts, als sie aus ihrem Winterschlaf erwachen. Sie staunen nur über die riesige und schier endlose Hecke, die sich plötzlich durch ihren Wald zieht. Dahinter ist eine Eigenheimsiedlung entstanden. Die Tiere reagieren ängstlich auf die Veränderungen, bis der Waschbär bei ihnen auftaucht und sich großspurig anbietet, ihnen die schöne neue Welt zu erklären.
Zunächst sind sie zurückhaltend. Besonders ihr Anführer, die bedächtige Schildkröte Verne, rät zur Vorsicht. Aber Richie entwickelt den Charme eines Heizdeckenverkäufers und vereinnahmt die anderen, darunter das Stinktier Stella und das hyperaktive Eichhörnchen Hammy (Scrat läßt grüßen), für seine Ideen. Daß er sie nur benutzen will, um die Beute für Vincent wieder heranzuschaffen, erzählt er natürlich nicht. Und so unternehmen die Waldtiere halsbrecherische Ausflüge in die Welt jenseits der Hecke, wo Menschen, Fast Food und bestialische Tierfänger auf sie warten. Eigentlich haben sie keine Chance, aber beim Versuch, die zu nutzen, entwickeln sie eine enorme Energie.
Vordergründig geht es in "Ab durch die Hecke" um actiongeladene Verfolgungsjagden und darum, wer zuletzt lacht. Aber der Film aus dem Hause Dreamworks Animation ("Shrek", "Madagascar") transportiert wie der Comic "Over The Hedge", auf den er zurückgeht, eine gehörige Portion Zivilisationskritik. Beim Kampf Mensch gegen Natur sind die Eigenheimbewohnerinnen hysterische Sauberkeitsfanatikerinnen, die Unmengen ungesunde Nahrungsmittel in ihren Häusern bunkern. Running Gag als eine Art Gral ist eine Sorte Chips, nach denen sich bald auch die Waldtiere verzehren - und die so mancher Kinobesucher beim Ansehen des Films selbst auf den Knien haben dürfte. Tim Johnsons und Karey Kirkpatricks Film hat nicht soviel Dialogwitz wie "Ice Age 2", aber er ist vielschichtig, bietet jungen wie älteren Zuschauern Szenen zum Lachen und zum Nachdenken. So ganz nebenbei geht es nämlich auch noch um Treue, Freundschaft, Ehrlichkeit und um das Überleben durch Anpassung. Darwin hätte seine Freude daran gehabt, wie Verne versucht, dem Zeitgeist auf der Spur zu bleiben. Erfreulicherweise gelingt all das ohne erhobenen Zeigefinger, jedoch mit witzigen Zitaten aus der Filmgeschichte ("Endstation Sehnsucht", "Citizen Kane"). Die Trickfilmer lassen es an Einfällen nicht mangeln, wenn Sympathieträger Hammy als Köder den "toten Mann" spielt oder wenn es darum geht, den Tierfänger mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.
"Echt witzig", urteilten Zielgruppenkind Jenny (10) und sogar Singa (13), obwohl sie Animationsfilme fast schon für uncool hält. Seine Hecke sieht man hinterher übrigens mit anderen Augen.
Ab durch die Hecke USA 2006, 83 Minuten, ohne Altersbegrenzung, R. Tim Johnson, Karey Kirkpatrick, täglich im Cinemaxx, Cinemaxx Harburg, Cinemaxx Wandsbek, Grindel, Hansa-Filmstudios, Koralle, UCI Mundsburg, UCI Othmarschen-Park, UCI Smart-City.



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