Bollywood verläßt die ausgetretenen Pfade
Das Epos "Rang De Basanti" will auch politisch missionieren
Es geht auch anders in Bollywood: Safran ist im Land der Mythen und Götter ein Synonym für Veränderung, und die schleicht in diesem Film auf leisen Sohlen heran, um dann um so gewaltiger zu explodieren.
Die junge britische Journalistin Sue (Alice Patten) bricht ins turbulente Delhi auf, im Gepäck ein eigenwilliges Filmprojekt und das Tagebuch ihres Großvaters. Der hat darin als britischer Offizier zur Zeit der Kolonialherrschaft Hochachtung vor einer Horde Rebellen geäußert, die ziemlich gelassen ihrer Hinrichtung entgegensahen. Das war vor 70 Jahren.
An der Universität von Delhi stößt Sue auf eine Clique aus Teilzeitstudenten; junge Wilde, die ihr Leben in einer Dauerparty aus HipHop-Musik, coolen Jeeps, Motorrädern und mit dem Nippen an teuren Cocktails zubringen. Und diese hedonistischen Nichtsnutze sollen jetzt Freiheitskämpfer simulieren?
Das läuft nicht ohne Sand im Getriebe ab, gewinnt jedoch mit Fortschreiten des Films an Fahrt. Leider trägt Regisseur Rakesh Omprakash Mehra sein sozialrevolutionäres Sendungsbewußtsein auf zu viele Nebenschauplätze. Nacheinander bekommen alle Cliquenbrüder ihren Moralischen: Der eine kloppt sich verbal mit seinem muslimischen Vater über seinen westlichen Lebensstil, der andere verweigert das Studium an einer schicken Auslands-Uni. Ein dritter kämpft fanatisiert gegen die Verwestlichung des Landes.
Lange schwebt der Film unentschlossen zwischen der Leichtigkeit des neuen jungen Indien mit minutenlangen HipHop-Einlagen seiner westlich gekleideten ansehnlichen Jungdarsteller und seiner politischen Mission. So wird kaum nachvollziehbar, wie sich die Studenten nach und nach in der Geschichte der Männer um den Rebellen Bhagat Singh verlieren. 1928 hatte der einen britischen Befehlshaber, der ein Massaker an Zivilisten angezettelt hatte, hingerichtet und wurde dafür gehenkt. "Wir haben die Korruption im Blut", stöhnen die Jungs resigniert angesichts der indischen Wirklichkeit. Als ein Cliquen-Mitglied als Luftwaffen-Pilot einen sinnlosen, vom Staat einkalkulierten Tod stirbt, mutiert die Bande zu echten Rebellen - mit tödlichen Folgen. Eine für den westlichen Blick schier unglaubliche Geschichte, die vielleicht nur in Indien so möglich ist.
Trotz der Drehbuchschwächen: "Rang De Basanti - Die Farbe Safran" unternimmt den lobenswerten Versuch, einmal eine Geschichte jenseits von verkuppelnden Müttern und Liebenden, die mittels entfesselter Tanz- und Gesangseinlagen aufs Happy End zusteuern, zu erzählen.
Rang De Basanti - Die Farbe Safran Indien 2006, 160 Minuten, ab 12 Jahren, R: Rakesh Omprakash Mehra; D: Aamir Khan, Steven Mackintosh, Waheeda Rehman, Alice Patten u. a., täglich im 3001; Internet: www.rangdebasanti.net



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