Dienstag, 14. Februar 2012, 15:58

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Kino

Eine Witwe startet durch

"Lady Henderson präsentiert" von Stephen Frears

Lady Henderson (Judi Dench) ist 69 Jahre alt und frisch verwitwet. Aber sie ist nicht deprimiert, sondern in Aufbruchstimmung. 1937 kommt sie aus Indien zurück nach London und mault: "Alle muß ich anlächeln. Das mußte ich vorher nie. In Indien gab es immer Leute, auf die man herabblicken konnte." Die Frau ist ganz und gar nicht auf den Mund gefallen. Also kauft sie ein leerstehendes Theater im Londoner Stadtteil Soho und versucht es wieder in Schwung zu bringen. Weil sie davon wenig versteht, engagiert sie einen Experten: Vivian Van Damme (Bob Hoskins) ist vielleicht nicht so quecksilbrig wie seine Arbeitgeberin, aber mindestens so stolz und temperamentvoll. Es ist zwischen den beiden Haßliebe auf den ersten Blick.

Die Zeiten sind schlecht, die Theater laufen nicht gut, und die Konkurrenz ist groß. Als im Windmill Theatre eine Nonstop-Revue erfolgreich auf die Bretter gebracht wird, ziehen die anderen Theater bald nach. Lady Henderson hat die Idee, ihre Revuemädchen nackt auftreten zu lassen. Den Zensor Lord Cromer (Christopher Guest) überzeugt sie mit dem Konzept, die Mädels als "lebende Bilder" auftreten zu lassen. Die Show wird ein großer Erfolg, aber bald bricht der Zweite Weltkrieg aus, und wegen der Angriffe der Deutschen ist das Theater von der Schließung bedroht.

Die Geschichte des Windmill-Theaters basiert auf Tatsachen. Stephen Frears macht daraus eine plüschige Komödie, die zunächst mit beträchtlichem Wortwitz punkten kann. Fast alle guten Zeilen gehen dabei an Judi Dench, die hemmungslos brilliert (kein Wunder, daß James Bond vor ihr als "M" kuscht). Die Duelle mit Bob Hoskins sind sehenswert. Aufgebauscht wirkt dagegen das nur vordergründig skandalöse Thema Nacktheit. Auch wenn es sich hier um eine Geschichte aus London handelt, der Hauptstadt des Landes, aus dem die Komödie stammt "No Sex please: We're British" - nackte Tatsachen waren auch an der Themse schon bekannt. Im letzten Drittel verliert der Film zusehends an Fahrt. Immer wieder streut Frears, den das Presseheft kurz vor seinem 65. Geburtstag als Regie-Wunderkind bezeichnet und der schon wesentlich aufregendere Filme inszeniert hat ("Dirty Pretty Things", "Mein wunderbarer Waschsalon", "Gefährliche Liebschaften"), Probeszenen für die kommenden Revuen ein. Und nach dem Kriegsausbruch bekommt der Film ein Durchhalte-Pathos aufgesetzt, das einen hüsteln lassen möchte.

Trotzdem: eine teilweise sehr amüsante Gesellschaftskomödie.

Lady Henderson präsentiert GB 2005, 103 Min., ab 6 J., R: Stephen Frears, D: Judi Dench, Bob Hoskins, Kelly Reilly, im Abaton, Holi, Streit's, im UCI Othmarschen-Park.

 

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