Erst kommt das Gel, dann der Revolver
Jesse James mal wieder auf der Leinwand. Aber American Outlaws ist lediglich ein überflüssiger B-Western - die Gesetzlosen sind eitle Fatzkes
Wer zählt die Filme, nennt die Namen? Viele Male schon wurde die Geschichte von Frank und Jesse James verfilmt. Am bekanntesten sind wohl Henry Kings "Jesse James, Mann ohne Gesetz" (1939), Fritz Langs Fortsetzung "Rache für Jesse James" (1940) und Walter Hills "Long Riders" (1980). Kann man diesem Stoff noch neue, interessante Facetten abgewinnen? Und wenn ja, müssen sie so aufgesetzt und oberflächlich sein wie in diesem überflüssigen B-Western, den Les Mayfield inszenierte? Denn die Bankräuber werden hier als schöne Burschen verkauft, die sich um ihr Image in den Medien mehr scheren als um Reichtum und Männlichkeit. Dies sind keine Gesetzlosen mehr, wie der Titel frech behauptet, sondern eitle Fatzkes, die sich schnell noch die Haare gelen, bevor sie den Revolver ziehen. Jesse James wird von Colin Farrell dargestellt, der seit "Tigerland" und "Minority Report" als Shooting Star gilt. Nach der Rückkehr aus dem Bürgerkrieg überfällt er zusammen mit seinem Bruder Frank (Gabriel Macht) und den Younger-Brüdern (Scott Caan und Gregory Smith) wie gehabt Banken und Züge. Auf den Fersen ist ihnen derweil der berühmte Detektiv Pinkerton (Timothy Dalton). Eine Liebesgeschichte zu der schönen Ali Larter gibt es obendrein, doch die lüsternen Umarmungen im knietiefen Wasser wirken, als sei man bei einem "Playboy"-Shooting zu Gast. "American Outlaws" versteht sich auf die Kunst des Blendens. Doch dahinter gähnt abgrundtiefe Leere. MICHAEL RANZE American Outlaws USA 2001, 93 Min., ab 12 Jahren; R: Les Mayfield, D: Colin Farrell, Scott Caan, Ali Larter, Gabriel Macht, täglich im UFA-Palast



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