Sonntag, 27. Mai 2012, 08:36

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Kino

"Es ist ein Knochenjob"

Christian Tramitz über seine Rolle als Stimme des Galliers Asterix.

ABENDBLATT: Herr Tramitz, macht Synchronisation Spaß, oder interessiert Sie in erster Linie die Gage?

CHRISTIAN TRAMITZ: Es ist natürlich auch eine Sache des Geldes. Vor allem als ich mit der Schauspielerei angefangen habe, war ich froh um jeden Synchronjob. Ich hatte nichts zu drehen, nur Theaterengagements, da war das eine schnelle Methode, um die Kasse zu füllen. Es kann aber auch Spaß machen.

ABENDBLATT: Wem leihen Sie lieber Ihre Stimme: realen Schauspielern oder Zeichentrickfiguren?

TRAMITZ: Es hat beides seinen Reiz. Einen hochkarätigen Schauspieler wie Matt Dillon zu synchronisieren kann sehr anstrengend sein, weil er brillante Nuancen setzt, die nicht berechenbar sind. Zeichentrickfiguren sind vorhersehbarer und stimmlich auch leichter zu treffen.

ABENDBLATT: Wie lange mußten Sie für Asterix trainieren?

TRAMITZ: Es war nicht so schwierig, wie ich dachte. Ich war anfangs schon überrascht, daß man gerade mich für die Rolle wollte. Irgendwie kam ich nicht auf die Gemeinsamkeiten zwischen ihm und mir. Aber es hat mich ganz besonders gefreut, daß gerade ich ausgesucht wurde.

ABENDBLATT: Warum?

TRAMITZ: Weil ich Asterix-Fan bin. Die Hefte haben mir über meine wenig erfolgreiche Schulzeit hinweggeholfen (lacht). Im Vergleich zu "Micky Maus" waren die Comics sehr innovativ. Ich blättere noch heute manchmal durch die Hefte, auch wegen meiner beiden Söhne, die Asterix gerade entdecken.

ABENDBLATT: Wie lange dauert es, um einen neunzigminütigen Film zu synchronisieren?

TRAMITZ: Bei einer Hauptrolle bin ich etwa drei bis vier Tage von früh bis spät im Tonstudio. Es ist ein Knochenjob. Es wäre mal witzig, eine Kamera mitlaufen zu lassen. Man verrenkt sich sprichwörtlich, um die Sätze authentisch rüberzubringen. Als ich für "Full Metal Jacket" eine Szene probte, in der meine Rolle Marschgepäck trug, wollte der Regisseur sogar, daß wir für die Aufnahmen einen Kollegen auf den Rücken nehmen. Ich persönlich bin aber kein Fan solcher naturalistischen Methoden.

ABENDBLATT: Ihre stimmlichen Qualitäten sind nun auch bei Michael "Bully" Herbigs neuem Film gefragt, der 3-D-Zeichentrickverfilmung "Lissi und der wilde Kaiser". Haben "Bully", Rick Kavanian und Sie die Entscheidung gemeinsam getroffen, auf eine Realverfilmung zu verzichten?

TRAMITZ: Ich wußte nichts davon. "Bully" ist ein riesiger Geheimniskrämer und hat uns nichts gesagt. Er rief mich eines späten Abends an, und fragte, ob er kurz vorbeikommen könne. Er spricht am Telefon nie über solche Dinge. Zuerst habe ich ihn für verrückt erklärt, doch dann zeigte er mir die ersten Zeichnungen, die natürlich streng geheim waren. Er hatte das Drehbuch bereits geschrieben.

ABENDBLATT: Sie waren gleich einverstanden?

TRAMITZ: Klar, auch wenn mir ehrlich gesagt eine Realverfilmung lieber gewesen wäre. Aber in diesem Fall hätte ich auch gern wieder am Drehbuch mitgearbeitet, und das hätte auch wieder einen irrsinnigen Aufwand bedeutet. "Bully" hat auch alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um es nicht zu einer Realverfilmung kommen zu lassen (lacht). Er hatte eine Todesangst, 24 Stunden am Tag in Kleid und Perücke herumrennen zu müssen.

ABENDBLATT: Gibt es weiteres Material aus der "Bullyparade", das in Spielfilme verpackt werden könnte?

TRAMITZ: Nein, ich denke, daß es mit diesem Film gegessen ist. "Bully" wird vielleicht auch mal was anderes als Komödien machen wollen. Vielleicht trifft man sich bei einem Thriller wieder.

 

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