Dienstag, 14. Februar 2012, 17:23

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Kino

Nichts ist mehr undenkbar

"Schläfer" vermischt geschickt Privates mit Gesellschaftspolitik

Wenn Sie ihn für ungefährlich halten, überzeugen Sie uns", insistiert eine Verfassungsschutz-Mitarbeiterin, als der junge Wissenschaftler Johannes Merveldt (Bastian Trost) entrüstet das Ansinnen zurückweist, Informationen über seinen aus Algerien stammenden Kollegen Farid (Mehdi Nebbou) zu liefern. Schließlich sei es doch besser, jemand mit seiner Integrität übernehme die Aufgabe als jemand, der Farid vielleicht Böses wolle.

Johannes lehnt zwar dennoch ab, aber - kaum sichtbar zunächst - der Kern eines Zweifels ist plötzlich da. Immerhin ist Farid, mit dem er gemeinsam an einem wichtigen Forschungsprojekt arbeitet, Moslem. Und könnte die Begeisterung für Ballerspiele am Computer nicht Hinweis auf eine latente Gewaltbereitschaft sein?

Die Situation verkompliziert sich zusätzlich, als beide Männer sich in die Serviererin Beate (Loretta Pflaum) verlieben und Johannes den kürzeren zieht. Zudem hat auch in Sachen Forschungserfolg Farid unvermittelt das bessere Ende für sich. Und dann wird in München tatsächlich ein Anschlag verübt . . .

Es ist das Klima des Mißtrauens, der Unsicherheit und Angst, das der in Berlin lebende Regisseur Benjamin Heisenberg - übrigens ein Enkel des berühmten Physikers Werner Heisenberg - in seinem Debütfilm thematisiert. Was genau Farid eigentlich vorgeworfen wird, erfährt weder Johannes noch der Zuschauer. Und doch wächst langsam aber sicher der Zweifel, zumal sich mit der entsprechenden Phantasie auch eine Harmlosigkeit wie die Tatsache, daß Farid Vegetarier ist, als Indiz für terroristische Verbindungen interpretieren läßt.

In einer der stärksten Szenen des Films sitzt Johannes mit der Verfassungsschutzbeamtin zusammen und soll Bericht erstatten. Ein dicker Aktenordner liegt auf dem Tisch - randvoll mit Informationen über Farid und die anderen Wissenschaftler. Was genau in den Berichten steht, weiß Johannes nicht, aber schon der Blick auf diese vermeintliche Materialfülle reicht aus, um ihn sichtlich zu verunsichern.

Geschickt vermischt Benjamin Heisenberg gesellschaftspolitische Entwicklungen mit privaten Konflikten und zeigt fast nebenbei, daß die Anschläge radikaler Islamisten nicht nur viele tausend Menschenleben gekostet, sondern auch zu einer ganz grundsätzlichen Verunsicherung geführt haben.

Nichts ist mehr undenkbar und jeder (Araber) ein potentieller Täter. Unter diesen Voraussetzungen weiterhin seiner Menschenkenntnis zu vertrauen ist schwer. Johannes jedenfalls gelingt es nicht.

Schläfer Österreich/Deutschland 2005, 100 Minuten, ab 12 Jahren, R/B: Benjamin Heisenberg, D: Bastian Trost, Mehdi Nebbou, Loretta Pflaum, Guni Ellert, Wolfgang Pregler, täglich im Passage, Zeise; Internet: www.schlaefer-derfilm.de

 

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