Dienstag, 14. Februar 2012, 16:17

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Kino

Die Überwindung der Einsamkeit

Sensibel inszeniertes Drama mit großartigen Hauptdarstellern: "Das geheime Leben der Worte" der spanischen Regisseurin Isabel Coixet

Die Fabrikarbeiterin Hanna (Sarah Polley) ist ihren Kollegen suspekt. Sie arbeitet wie besessen, aber sehr zurückgezogen. Ihr Chef ruft sie schließlich zu sich und schickt sie in einen Zwangsurlaub, weil sie seit vier Jahren keine Ferien mehr gemacht hat. Hanna hat dazu dennoch keine Lust und fühlt sich hilflos. Aber nur kurz. Dann ergreift sie die Gelegenheit und nimmt das unverhoffte Angebot an, als Krankenschwester auf einer Bohrinsel zu arbeiten. Dort trifft sie Josef (Tim Robbins), einen Arbeiter, der mit schweren Verbrennungen und vorübergehend erblindet im Bett liegt.

Hanna redet nicht gern, und Josef hat sich verbittert und vor Schmerzen in die innere Emigration zurückgezogen. Behutsam inszeniert die spanische Regisseurin Isabel Coixet ("Mein Leben ohne mich"), wie diese Menschen, die beide ein dunkles Geheimnis mit sich herumtragen, Nähe zueinander aufbauen. Die äußeren Verletzungen von Josef sind zugleich Folge und Sinnbild seines inneren Zustands. Beide weisen zunächst Annäherungsversuche des anderen zurück und kommen einander doch näher. Auf ganz unterschiedliche Weise. Josef redet viel, versucht mit Witz und Charme Hannas Panzer zu knacken. Hanna wiederum flüchtet sich in ihre Arbeit. Aber beide hören einander immer mehr zu.

"Das geheime Leben der Worte" beginnt Wirkung zu zeigen. Und die beiden sind nicht die einzigen Einsamen auf der Plattform. Koch Simon (Javier Camara) hört stets Musik aus den Ländern, aus denen die Gerichte stammen, die er kocht. Und niemand weiß genau, was mit den Messungen geschieht, die Meeresbiologe Martin (Daniel Mays) über Länge und Höhen der Wellen anstellt.

Coixet zeigt meisterhafte Sensibilität im Umgang mit diesem Thema, das auch der Däne Lars von Trier in "Breaking The Waves" schon einmal, wenn auch auf andere Weise, aufgegriffen hat. Ölplattformen eignen sich offenbar besonders gut für Kammerspiele unter dramatischen meteorologischen Rahmenbedingungen.

Sarah Polley und Tim Roth gelingt es auf großartige Weise, verletztes Seelenleben und vorsichtige Annäherung darzustellen. Julie Christie hat einen kleinen, aber wichtigen Part, der Hanna hilft mit ihren traumatischen Erlebnissen besser umzugehen.

Das geheime Leben der Worte Spanien 2005, 115 Minuten, ab 6 Jahren, R: Isabel Coixet, D: Sarah Polley, Tim Robbins, Javier Camara, Sverre Ousdahl, Julie Christie, täglich im Holi, 3001 (außer Mo, OmU); Infos im Internet: www.das geheimelebenderworte.de

 

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