Dienstag, 14. Februar 2012, 15:38

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Kino

"Ist es schlimmer geworden?"

Regisseur Eli Roth über Folterszenen und die menschliche Natur

ABENDBLATT: Gab es für "Hostel" irgendwelche Vorgaben von Sony Pictures?

ROTH: Nein, sie wußten, was sie bekommen würden, denn jede Szene des Films war im Drehbuch detailliert beschrieben. Nur das Ende war anders. Sony hat mich aber nie zu etwas gezwungen, der Grund für Änderungen war immer das mit vier Millionen sehr kleine Budget. "Stealth" kostete 100 Millionen, "Zorro 2" 80 Millionen - mit "Hostel" hätten sie schon Geld verdient, wenn er nur auf DVD erschienen wäre.

ABENDBLATT: Der japanische Regisseur Takashi Miike hat einen kleinen Auftritt in Ihrem Film . . .

ROTH: Japan ist heute das Land, in dem das Genre des Horrorfilms am weitesten entwickelt ist. Diese Leute machen Filme, als würde die Welt morgen untergehen. In den USA geht man dagegen auf Nummer Sicher. Die Studios wollen einen Film haben, der ein möglichst großes Publikum erreicht, also muß er eine Freigabe ab 13 Jahren erhalten. Die Filme werden dem Rating angepaßt, statt umgekehrt. Man kann nicht einmal mehr einen Film drehen, der ab 17 freigegeben ist, weil der nicht bei Walmart verkauft wird. Und wenn er dort nicht verkauft wird, kann man damit kein Geld verdienen.

ABENDBLATT: Fällt es Ihnen leicht, Folterszenen zu drehen?

ROTH: Ich kann sie nicht ausstehen. Ich hatte eine glückliche Kindheit. Aber als ich diese Website sah, auf der jemand sich als Killer anbot, und dann die Al-Quaida-Videos, wo jemand hingerichtet wurde, hatte ich die Idee für "Hostel". Der amerikanische Begriff von Sicherheit ist Militär und Geld. Aber dieser Feind läßt sich mit Geld nicht kaufen, und die Armee besteht aus Achtzehnjährigen, die Angst haben. Wenn eine Naturkatastrophe wie in New Orleans passiert, dauert es fünf Tage, bis die Armee eingreift. Wir sind aufgeschmissen. Dick Cheyney schießt Leuten ins Gesicht, George Bush sitzt auf seiner Ranch und tut nichts. Es ist nicht so, daß ich mir schreckliche Sachen ausdenken muß, da gibt es vielmehr eine Tradition in der Menschheitsgeschichte.

ABENDBLATT: Der holländische Geschäftsmann im Film spricht einmal von der menschlichen Natur . . .

ROTH: Ich habe eine positive Sicht von Individuen, aber eine negative von Menschen in Gruppen. Ich bin mit Erzählungen über den Holocaust aufgewachsen - das kann man kaum begreifen. Man liest von den Hexenverbrennungen und fragt sich: War das immer da? Ist es schlimmer geworden? Helfen Gesetze dagegen?

 

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