Dienstag, 14. Februar 2012, 15:37

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kino

Wenn die Jugendherberge zum Tor der Hölle wird

Horror-Schocker ohne die klassische Splatter-Ästhetik: "Hostel"

Sie wollen ganz einfach ihr Vergnügen haben, die beiden amerikanischen Rucksacktouristen, genau wie ihr Altersgenosse aus Island. Vergnügen, das bedeutet Alkohol, Drogen und Mädchen. Davon finden sie in Amsterdam, wo sie aufeinander treffen, zwar einiges, aber ein Geheimtip schickt sie Richtung Osten: In Tschechien soll es die schönsten und willigsten Mädchen geben, wird ihnen versprochen. Und tatsächlich macht das Jugend-Hostel, in dem sie dort landen, den Eindruck, als würden hier alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen - sie teilen sich sogar ihr Zimmer mit zwei einheimischen Schönheiten. Aber am nächsten Morgen ist der Isländer spurlos verschwunden

Einen Abstieg in die Hölle zeigt der junge amerikanische Regisseur Eli Roth in seinem zweiten abendfüllenden Film. Schon sein Debüt "Cabin Fever" bewies nachhaltige Qualität darin, sein Publikum zu verstören, denn die Freundesgruppe, die ein Wochenende in der Natur verbrachte, kam dabei in Berührung mit einem Virus, der einige von ihnen schrecklich mutieren ließ: Jeder war sich selbst der nächste. In "Hostel" sind die Grenzen zwischen Gut und Böse scheinbar eindeutig, bis dahin, daß der Protagonist am Schluß Rache nimmt an einem der Hintermänner, die gelangweilten Reichen anbieten, für Geld andere Menschen zu Tode zu foltern.

Wo "Cabin Fever" eine zeitweise Erholung von dem Schrecken durch komisch-makabre Momente bot, da ist "Hostel" ganz gradlinig grimmig in seiner Darstellung von Gewalt - wie die Daumenschrauben, die als Moment der Folter eingesetzt werden. Was hier schockiert ist allerdings mehr die Tatsache, daß Menschen in der Lage sind, anderen Gewalt anzutun, als die Art und Weise, wie dies gezeigt wird. Von der klassischen Splatter-Ästhetik, die Verstümmelungen in Totalen ohne Schnitte zeigte und dadurch den Eindruck von Realismus erweckte, ist dieser Film ein Stück weit entfernt: Er arbeitet eher mit Großaufnahmen und Andeutungen, bevor die schrecklichen Resultate in der Totale zu sehen sind. Das macht ihn weit weniger brutal als man erwarten durfte. Es läßt auch Raum für wirklich anrührende Szenen, etwa die Reaktion einer Japanerin, als sie zum ersten Mal die Reflektion ihres verstümmelten Gesichts sieht. "Hostel" schockiert, aber wenn er den Zuschauer dazu bringt, über den Umgang mit Gewalt nachzudenken, hat er etwas durchaus heilsames.

Hostel USA 2005, 93 Minuten, ab 18 Jahren, R: Eli Roth, D: Jay Hernandez, Derek Richardson, Eythor Gudjonsson; täglich im Cinemaxx, Cinemaxx Harburg, Cinemaxx Wandsbek, Grindel (OmU), UCI Mundsburg, UCI Othmarschen-Park, UCI Smart-City, UFA-Palast; Internet: www.sonypictures.de

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus

Weiterführende Links