Dienstag, 14. Februar 2012, 15:49

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Kino

Über die Schattenseiten der Globalisierung

Eine beeindruckende Dokumentation: "We Feed The World"

Unglaublich, aber wahr: Auf dem größten Wochenmarkt Afrikas kosten einheimische Gemüse ein Vielfaches der aus der EU importierten Waren, weil in Europa die Landwirtschaft so stark subventioniert wird, daß die Preise absolut konkurrenzlos sind. Konsequenz: Afrikanische Bauern werden ihr Gemüse nicht los, verarmen und sind schließlich zur Flucht nach Europa gezwungen, wo sie als illegale Einwanderer niedrigste Arbeiten zu Dumpinglöhnen verrichten. Und das ist nur eines von vielen Beispielen für die Konsequenzen wirtschaftlicher Globalisierung, die der österreichische Regisseur Erwin Wagenhofer in seiner beeindruckenden Dokumentation "We Feed The World" zeigt.

Da sind enorme Berge von Brot zu sehen, die täglich in Wien vernichtet werden, während im brasilianischen Amazonas-Gebiet die Kinder an Unterernährung sterben. Da schockieren die Bilder von goldgelben Küken, die in riesigen Aufzuchtanlagen auf Laufbänder geschüttet und millionenfach "verarbeitet" werden - nicht weil wirklich Bedarf besteht, sondern weil sich nur riesige Stückzahlen für die Züchter rechnen. Und Wut steigt auf, wenn in Rumänien eine multinationale Saatmittelfirma mit Hilfe der Regierung dafür sorgt, daß traditionelle Anbaumethoden verschwinden, und die Bauern von ihren teurer zu bezahlenden Produkten abhängig werden.

Viel ist in den vergangenen Jahren über die Risiken und Chancen der Globalisierung diskutiert worden. In Wagenhofers Film kommen nun die Fakten auf den Tisch. Und die sprechen eine deutliche Sprache, die keinen Zweifel daran läßt, daß unser westlicher Reichtum einhergeht mit der wirtschaftlichen Not in den weniger entwickelten Ländern. Daß wir, um es ganz deutlich zu sagen, permanent auf Kosten anderer leben. "Die Weltlandwirtschaft könnte ohne Problem zwölf Milliarden Menschen ernähren", erklärt Jean Ziegler, UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, in einer Szene. "Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet." Deutliche Worte, die sich auch gegen die vorherrschende "Geiz ist geil"-Mentalität richten, für die nur noch der Preis zählt und nicht mehr die Frage, wie er erzielt wurde. Ein ebenso wichtiger wie unbequemer Film.

We Feed The World Österreich 2005, 96 Minuten, ab 12 Jahren, Erwin Wagenhofer, täglich im Abaton, Zeise; Infos im Internet unter www.essen-global.de

 

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