Dienstag, 14. Februar 2012, 16:18

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Kino

Ein seltenes Spiegelbild Amerikas

"Transamerica" ist ein mutiger Roadmovie von Duncan Tucker.

Das ist die Stimme, die ich benutzen will." Rauh und betont in eine tiefe Tonlage gedrückt klingen die aus dem Off gesprochenen Worte. Dann erst kommt die Sprecherin ins Bild. Bree (Felicity Huffman) ist transsexuell und will sich auch äußerlich durch einen chirurgischen Eingriff in eine Frau verwandeln lassen. Dazu fehlt noch eine behördliche Genehmigung.

Die zu bekommen ist für sie schwierig, denn wie aus allen Wolken gerissen ist sie nach einem Anruf aus dem Gefängnis. Am anderen Ende der Leitung ist Toby (Kevin Zegers), ihr Sohn, Ergebnis eines One-Night-Stands in der Zeit, als sie ihr Glück noch auf der anderen Seite suchte. Nun sitzt die Noch-nicht-ganz-Frau plötzlich mit einem kriminellen Sohn da, dem sie aber nichts von der engen familiären Bindung erzählt. Er hält sie für eine Art christliche Sozialarbeiterin und ahnt nicht, daß Bree früher Stanley hieß und sein leiblicher Vater ist. Zusätzlich erschwert wird die komplizierte Beziehung durch Tobys Berufswunsch: Er möchte Pornostar werden.

Sohn und Vater/Mutter machen sich auf den gemeinsamen Weg nach Westen, wo Toby nach Stanley suchen will. Das ist der Auftakt zu einem ungewöhnlichen Roadmovie, in dem zwei sich ebenso nahe wie voneinander entfernte Menschen einander nur um den Preis zu überwindender Vorurteile näherkommen können. "Transamerica" ist aber auch ein Stationendrama; wo immer die beiden haltmachen und auf andere Menschen treffen, auf die kleingeistigen und die großherzigen, verändert sich ihre Beziehung ein wenig. Ein Höhepunkt ist der Besuch des ungleichen Paares bei Brees erzkonservativen Eltern.

Ein Spiegelbild Amerikas aus einem Blickwinkel, der so selten in die Medien gelangt, ist Regisseur und Drehbuchautor Duncan Tucker in seinem Film gelungen. Felicity Huffman kann hier unendlich viel mehr zeigen als in ihrer Rolle in der TV-Serie "Desperate Housewives". Die 44jährige brilliert in der Hauptrolle, spielt mutig, fast rücksichtslos eine Frau auf sexueller Identitätssuche. Tucker inszeniert mit viel Fingerspitzengefühl die Konflikte, die aus dieser die gesellschaftlichen Konventionen herausfordernden Konstellation entstehen. Dabei gelingen ihm in seiner Tragikomödie ebenso ätzende wie brüllend komische Momente. Daß Tucker Menschen in dieser schwierigen Lebenssituation eine Stimme gibt, spricht für ihn und hat zu einem mutigen Film geführt.

Transamerica USA 2005, 103 Minuten, ab 12 Jahren, R: Duncan Tucker, D: Felicity Huffman, Kevin Zegers, Fionnula Flanagan, Graham Greene, Burt Young, tägl. i. Abaton (OmU) und Passage; Internet: www.transamerica-movie.com

 

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