Grundlegendes über Liebe und Sex
Sally Potters "Yes" zieht seine Spannung aus den Gegensätzen
Die Liebe, wer wüßte das nicht, ist selten einfach, und in diesem Fall kommen noch einige unüberwindliche Hindernisse hinzu. Sie (Joan Allen): eine elegante Amerikanerin, geboren in Belfast, christlich erzogen. Er (Simon Abkarian): Libanese muslimischen Glaubens, früher Chirurg, nun Koch. Sie ist eine angesehene Molekularbiologin, die in einer zerrütteten Ehe mit einem englischen Politiker (Sam Neill) lebt. Er wohnt zurückgezogen in einem kleinen Apartment, abgeschnitten von seiner Kultur und seiner Familie.
Sally Potter etabliert in ihrem neuen Film "Yes" ganz bewußt strenge Gegensatzpaare, um allgemeine Aussagen über Liebe und Sex, beeinflußt durch Klassenzugehörigkeit und Religion, zu treffen. Darum erfährt der Zuschauer nicht einmal die Namen der Protagonisten.
Bei einem festlichen Bankett sehen sie sich zum ersten Mal. Offene Blicke, neugieriges Lächeln, geflüsterte Worte. Und mit einem Mal landen sie im Bett, erfreut über ihre Lust aneinander, erstaunt über die sanfte Zurückhaltung, mit der sie sich lieben. Die Dinge, die sie trennen, scheinen zunächst keine Rolle zu spielen. Doch dann stoßen sie und er an eine Grenze, die ihr Selbstverständnis erschüttert. "Du kaufst mich mit deiner Kreditkarte", schimpft er verärgert und stößt sie zurück - just in jenem Moment, als ihre Ehe endgültig zerbricht.
Fast wäre es einem nicht aufgefallen, doch die Dialoge des Films werden als jambischer Pentameter im Stile Shakespeares gesprochen. Doch keine Angst: Poesie und Rede gehen eine unangestrengte und elegante Verbindung ein. Sie läßt die Figuren Dinge sagen, die sie sich sonst nicht getraut hätten. Wie ein leises Lied muten diese Versreime an - eine ungewohnte Kinoerfahrung. Und noch etwas ist anders: Schon zu Beginn des Films hatte eine Putzfrau (Shirley Henderson) direkt in die Kamera gesprochen, um wie ein griechischer Chor das Geschehene zu kommentieren oder über Schmutz und Reinheit zu philosophieren. Der Mensch bewegt sich durchs Leben und wirbelt Staub auf, während andere ihr Geld damit verdienen, ihm hinterherzuputzen. Auch das ein Aspekt von "Yes".
Werden sie und er wieder zusammenfinden? Der Film endet völlig überraschend in Kuba, das - lange ist es her - vielen Linken als politische Utopie galt. Trotzdem: Vielleicht ist hier, in einem fremdem Land, wieder eine Begegnung unter Gleichen möglich.
Yes Großbritannien/USA 2004, 100 Min., ab 12 J., R: Sally Potter, D: Joan Allen, Simon Abkarian, Sam Neill, Shirley Henderson, Wil Johnson, täglich im Holi, Koralle; Internet: www.alamodefilm.de



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