Dienstag, 14. Februar 2012, 17:36

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Kino

Das ganze Leben als Pool-Party

"Kiss Kiss Bang Bang" ist ein ironisches Hollywood-Märchen

Daß Hollywood ein perfektes Auffangbecken für zwielichtige Gestalten ist, steht nicht erst seit "Get Shorty" fest. Folglich landet auch der New Yorker Kleinganove Harry Lockhart (Robert Downey jr.) im Filmbusiness. Angeschossen und auf der Flucht, stolpert er in ein Casting hinein, hechelt blutend seinen Text und wird für sein perfektes Method Acting mit einem Ticket nach L.A. belohnt. Was ihm dort zwischen Pool-Partys, Happy-Hour-Cocktails und One-Night-Stands widerfährt, inszenierte Shane Black als rasant komisches, postmodernes Puzzle. Mit der Erzählerstimme von Robert Downey jr., kurzen Stopps, bei denen die Handlung zurückgespult wird, und einem ironischen Kommentar läßt er keinen Zweifel daran, daß man einen Film sieht, ein Hollywood-Märchen, das sich ganz um sich selbst dreht, Raymond Chandler zitiert, aber nie, aber auch wirklich nie, das Leben selbst.

Daß die Geschichte um ein ermordetes Mädchen, das erst Harrys Jugendliebe zu sein scheint und dann doch eine andere ist, dabei so viele Haken schlägt, daß sie fast die Richtung verliert, ist schnell egal. Vielmehr dreht sich alles um erfrischende Gags, um einige hartnäckige Leichen und viele Seitenhiebe auf Hollywood. Von denen mußte Shane Black selbst einige einstecken, als nach seinen Erfolgsbüchern zu "Leathal Weapon" schließlich die Jobs ausblieben. Sein neues Drehbuch inszenierte er erstmals selbst und stellte Harry drei eigensinnige Partner an die Seite: den schwulen Coach Gay Perry (Val Kilmer), bei dem Harry zum Detektivunterricht geht, die explosive Harmony (Michelle Monaghan) und das Downtown Standard Hotel.

Das schnoddrig glamouröse Hochhaus ist der In-Spot in L.A.: in keckem 60er-Design gestylt und mit einer spektakulären Dach-Bar, in der man sich elegant am Pool aalt oder auf futuristischen Liegewiesen. Shane Black beweist sein Händchen für Stil und für den richtigen Ton, macht sich einen höllischen Spaß aus einem abgerissenen Finger, aus absurden Irrungen und Wirrungen und verliert das Tempo dabei nicht aus den Augen. So rasant wie er durch die Geschichte hechtet, kommt er auch zum Schluß. "Keine Angst, ich habe auch ,Herr der Ringe' gesehen", heißt es aus dem Off, "und nicht vor, 17mal zu enden."

Kiss Kiss Bang Bang USA 2005, 102 Min., ab 12 Jahren, R: Shane Black, D: Robert Downey jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, täglich im Cinemaxx, Grindel (OF), UCI Mundsburg, UCI Othmarschen-Park, UCI Smart-City, Uca-Palast; Internet: www.kiss-kiss-bang-bang.de

 

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