"Man kann nicht wirklich ein Teil der Gesellschaft dort sein"
Interview mit Hermine Huntgeburth, der Regisseurin von "Die weiße Massai"
ABENDBLATT: Haben Sie einen besonderen Erwartungsdruck gespürt, weil Sie wußten, daß Sie einen aktuellen Bestseller verfilmen?
HERMINE HUNTGEBURTH: Als ich das Angebot von Constantin bekommen habe, habe ich erst nachgedacht, dann das Buch gelesen, dann überlegt, wie man das machen kann. Die Titelfigur ist ja nicht nur positiv. Ich mußte noch sehr viel in Afrika recherchieren. Aber das war auch sehr spannend und total irre. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, diesen Menschen jenseits des touristischen Kontakts nahe zu kommen?
ABENDBLATT: Wie haben Sie sich vorbereitet?
HUNTGEBURTH: Ich hatte Samburu-Berater und die Gelegenheit, alles mit ihnen zu durchleben und nachzufragen.
ABENDBLATT: Hatten die Samburu vorher schon Erfahrung mit dem Medium Film?
HUNTGEBURTH: Gar keine. Sie hatten noch nie einen Film gesehen. Die Mutter, Schwester und der Bruder sind ja alle Samburu von dort. Um die Mama zu finden, haben mein Regieassistent und unser kenianischer Mitarbeiter acht Frauen vorgecastet. Dann saß da ein altehrwürdiger Chief und hat sie ermuntert: "Strengt euch an! Seid nicht schüchtern, sonst nimmt Hermine eine Mama von woanders." Es war toll! Sie sind wirklich hochbegabte Schauspieler.
ABENDBLATT: Fühlt man sich auch wie ein Eindringling in einen intakten Lebensraum?
HUNTGEBURTH: Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert. So unberührt ist es dort nicht. Es gibt vor Ort Missionsstationen und auch Hilfsorganisationen, die dort häufig vorbeikommen. Neu war eben das Medium Film. Aber das fanden sie auch amüsant. In die Schule gehen dort übrigens vor allem die Kinder, die nicht so gemocht werden. Die anderen wollen die Eltern lieber bei sich behalten.
ABENDBLATT: Ist für Sie persönlich so eine extreme Entscheidung nachvollziehbar, wie sie Corinne Hofmann getroffen hat, als sie nach Afrika ging?
HUNTGEBURTH: Nein, absolut nicht. Das geht überhaupt nicht. Das ist zu weit weg von uns. Natürlich kann man mit den Menschen dort leben und eine Beziehung aufbauen. Aber man kann dort nicht wirklich ein Teil dieser Gesellschaft sein. Dazu ist es zu anders. Um ein friedliches Leben leben zu können, müßte man eine Samburu-Frau werden, und das hat mit unserer gesellschaftlichen Form des Frauseins gar nichts zu tun. Wenn sie alt sind, geht es den Frauen dort richtig gut. Dann haben sie den Status der Weisheit, wenn sie viele Kinder bekommen haben. Sonst arbeiten sie wirklich die ganze Zeit, um zu überleben.



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