Dienstag, 14. Februar 2012, 17:37

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Kino

"Paranoia der Selbstverteidigung"

George A. Romero über die Ideen hinter dem Film

ABENDBLATT: Freuen Sie sich, als "Vater der Untoten" nach 20jähriger Pause zu Ihrem Zombie-Genre zurückzukehren?

GEORGE A. ROMERO: Ist es wirklich mein Genre? Ich fühle mich jedenfalls, als hätte ich es nie verlassen. Seit meinem letzten Zombie-Film ist viel Zeit vergangen; jetzt wollte ich es noch einmal wissen. Jeder meiner Zombie-Filme wollte die besondere Stimmung seiner Epoche beschreiben. Angefangen habe ich in den 60er Jahren, dann kamen die 70er und die 80er Jahre. In den 90er Jahren mußte ich dagegen durch die Wüste gehen - als keines meiner Projekte zustande kam.

ABENDBLATT: Was fasziniert Sie an Zombies?

ROMERO: Sie sind Teil der Pop-Kultur und als Monster leicht zu identifizieren. Ähnlich wie bei Vampir-Filmen weiß der Zuschauer sofort, was ihn erwartet. Mich reizt, ihn trotzdem zu überraschen.

ABENDBLATT: Verstecken Ihre Filme sozialkritische Ideen?

ROMERO: Ja, auch dieser Film handelt von sozialen Problemen. Im Drehbuch ging es um Aids und Obdachlosigkeit. Aber als ich dann drehen wollte, kam der 11. September dazwischen. Da wollte sich niemand mit einem solchen Thema die Finger verbrennen. Also habe ich mein Projekt auf Eis gelegt und erst vor kurzem reaktiviert. Vielleicht ist die Botschaft des Films jetzt noch treffender. Denn wir leben zur Zeit in einer seltsamen neuen Normalität. Mein Film beschreibt auf abstrakte Weise den paranoiden Zustand innerhalb der heutigen USA.

ABENDBLATT: Inwiefern?

ROMERO: Die Zombies haben die Welt im Griff; die letzten überlebenden Menschen leben in einer Art Festung. Außerhalb ihrer Stadtmauern suchen die lebenden Toten nach einem Zugang. Während im Inneren die gesellschaftlichen Strukturen zerbrechen, verkörpern Dennis Hopper und seine Kohorte die Regierung, mit deren Maßnahmen jeder Bürger einverstanden sein muß. Der Film liefert eine Menge Anspielungen auf die Lage in den USA. Die Hauptfiguren sind paramilitärische Typen, die die Richtlinien der Regierung mit allen Mitteln durchsetzen wollen. Sie müssen die ganze Staatsmaschinerie mit Nahrung füttern, Feinde aufspüren und vernichten. Erinnert Sie das an etwas?

ABENDBLATT: Welche Rolle spielt das amerikanische Trauma - das Bewußtsein der eigenen Verletzlichkeit - bei der aktuellen Welle von Horror- und Superhelden-Filmen?

ROMERO: Das Problem ist, daß sich die USA ihre Verletzlichkeit nie eingestehen wollen. Das Problem wird verdrängt. Die Amerikaner wollen sich gegen Angriffe von außen wehren und sind dadurch unfähig, friedlich und normal zu leben. Diese Paranoia der Selbstverteidigung treibt die verrücktesten Blüten! Niemand versucht, die wahren Probleme zu verstehen, die hinter der terroristischen Bedrohung liegen. Amerikaner sind wie Kinder und fragen bloß: Warum mögen die uns nicht? Meine Güte! Kann man sich die Gründe nicht vorstellen?Interview: MARCUS ROTHE

 

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