"Nie wieder Eichhörnchen"
Tim Burton über Probleme beim Dreh und schwarze T-Shirts
ABENDBLATT: Roald Dahls Kinderklassiker wurde schon mehrfach verfilmt. Mit der fröhlichen Version von 1972 sind viele Amerikaner groß geworden, und manche waren jetzt ganz schockiert, daß Sie die Geschichte düsterer erzählen . . .
TIM BURTON: Mir lag nie etwas daran, ein Remake vom alten Film zu machen. Vielmehr wollte ich an die Wurzeln der Originalgeschichte heran, weshalb ich unter anderem auf den Vater von Willie Wonka eingehe. Es gibt Leute, die den alten Film lieben, Leute, die das Buch bevorzugen, und Leute, die weder Film, noch Buch kennen. Es ist unmöglich, alle zufriedenzustellen, und ich habe mir darüber auch keine Gedanken gemacht.
ABENDBLATT: Wie war es, mit Kindern zu drehen?
BURTON: Im Vergleich zu den Eichhörnchen haben die Kids keine Schwierigkeiten bereitet. Eichhörnchen sind schwierig zu lenken. Nie wieder Eichhörnchen, kann ich da nur sagen. Einige der Kinder standen das erste Mal vor der Kamera, deshalb war es mir wichtig, sie in echten Kulissen agieren zu lassen.
ABENDBLATT: "Charlie und die Schokoladenfabrik" ist nach "Sleepy Hollow", "Ed Wood" und "Edward mit den Scherenhänden" bereits Ihr vierter Film mit Johnny Depp. Ist er eine Art Alter ego für Sie?
BURTON: Ich erinnere mich noch ganz gut, wie ich ihn das erste Mal traf. Damals war er ein Idol für Teenies, doch innerlich fühlte er ganz anders. Deshalb war es ihm ein so großes Bedürfnis, "Edward mit den Scherenhänden" zu spielen. Er ist in Wirklichkeit genauso sonderlich wie die Figuren, die er spielt. Ich habe mich auch immer als Außenseiter empfunden, und schon als Kind paßte ich in kein Schema. Ich glaube, das verbindet uns.
ABENDBLATT: Johnny Depp ist mit seiner Familie nach Frankreich gezogen, Sie leben schon seit zwei Jahren in England. Was hat Sie dazu bewegt?
BURTON: Ich hatte auch genug vom schönen Wetter in Kalifornien. Aber es gibt immer mehrere Gründe, weshalb man sich zu einer Entscheidung durchringt und in seinem Leben etwas verändern will. Ein anderer wichtiger Grund ist auch, daß mir das amerikanische Filmgeschäft zu klaustrophobisch geworden ist. Ich habe Freude daran, Filme zu drehen, aber ich mag die geschäftliche Seite des Ganzen nicht.
ABENDBLATT: Wie einst Johnny Cash trifft man auch Sie nur in schwarzer Kleidung an. Hat das eine bestimmte Bedeutung?
BURTON: Nein, ich mache mir nur nicht viel aus Kleidung. Von einer Kostümschneiderin ließ ich mir zehn schwarze T-Shirts von der gleichen Sorte anfertigen, um für eine Zeit wieder Ruhe zu haben. Das macht das Leben für mich einfacher. Ich muß nicht morgens aufstehen und erst überlegen, welche Farben meiner Kleidungsstücke miteinander harmonieren. Wenn man bei Schwarz bleibt, ist man schneller angezogen.



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