Angst und Wut
Das spanische Drama "Öffne meine Augen" trifft den Nerv der Zeit
Warum bleiben Frauen bei Männern, die sie mißhandeln? Mit ihrer dritten Regiearbeit traf die spanische Schauspielerin Iciar Bollain (bei uns vor allem bekannt durch ihre Rolle in Ken Loachs "Land and Freedom") offensichtlich einen Nerv - und räumte bei der Verleihung des spanischen Filmpreises 2003 gleich sieben Goyas ab. Eine Auszeichnung vermutlich auch für das Thema, das in der Macho-Kultur des Landes leider immer noch aktuell ist.
Mitten in der Nacht packt eine junge Frau eilig ein paar Sachen zusammen, weckt ihren Sohn und verläßt mit ihm das Haus: Nach neun Jahren Ehe hält es Pilar nicht mehr aus bei ihrem Mann Antonio. Wie er sie mißhandelt, das sehen wir erst später, bis dahin reicht ihr verängstigter Gesichtsausdruck aus oder der Anblick, wie sich ihr ganzer Körper verkrampft in seiner Gegenwart.
Pilar flüchtet zu ihrer Schwester Ana und nimmt eine Arbeit an. Als Museumsführerin gehe es ihr vor allem darum, vor anderen Menschen umherzustolzieren und ihren Körper zu zeigen, wirft ihr Antonio vor, als sie zu ihm zurückgekehrt ist. Seine krankhafte Eifersucht ist geblieben, seine Wut- und Gewaltausbrüche kommen in immer kürzeren Abständen - trotz der Therapie, die er begonnen hat. Alles steuert auf eine große Konfrontation zu . . .
Anders als Hollywood-Filme zum Thema (wie zuletzt "Genug" mit Jennifer Lopez) verweigert uns Iciar Bollain allerdings einen spektakulären Showdown und entläßt den Zuschauer mit der Irritation, daß ihr Film ein plastischeres Bild vom Mann als von der Frau zeichnet.
Öffne meine Augen Spanien 2003, 107 Min., ab 12 J., R: Iciar Bollain, D: Laia Marull, Luis Tosar, Candela Pena, tägl. im 3001 (OmU), Abaton



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