Einzelkämpfer zwischen allen Stühlen
"Hostage - Entführt" ist solide gemachte Action mit Bruce Willis
Eigentlich wollte Jeff Talley (Bruce Willis) seine Ruhe haben. Nach Jahren als Chefunterhändler der Polizei von Los Angeles bei Geiselnahmen hat er sich als Sheriff in die Provinz versetzen lassen - der Mord an einem gekidnappten Jungen hatte Talley zu sehr mitgenommen. Doch seine Vergangenheit holt ihn ein: Drei junge Autodiebe bringen einen Millionär mit zwei Kindern in ihre Gewalt. Am Telefon verspricht Talley den Kindern, ihr Leben zu retten - und steht damit wieder vor seiner alten Herausforderung.
Gefährlich wird die Lage zusätzlich, weil in der Millionärs-Villa Informationen über einen Verbrecherring lagern, mit dessen Hilfe der Besitzer zu seinem Geld gekommen ist. Als diese Gangster ihrerseits Talleys Frau und Tochter entführen, um die Situation an der Villa zu kontrollieren, sieht sich der Polizist mitten in einem Alptraum. Es beginnt ein Kampf an zwei Fronten, der dem Helden an die Nerven geht und ihn an seine körperlichen Grenzen bringt.
"Keine Szene ist im Computer entstanden", sagt Willis, der als Hauptdarsteller und Produzent von "Hostage" nicht mit Stunts und dramatischen Effekten geizt. Er habe es realistisch gewollt. "Für jeden, der Kinder hat, ist Talleys Situation ein Alptraum", sagt Willis, der Familie als das Kernthema des Films sieht. Polizist Talley ist hin und hergerissen: Rettet er die Millionärsfamilie, stirbt möglicherweise seine eigene - und umgekehrt.
In erster Linie bleibt der Film jedoch ein klassischer Actionfilm. Wer dramatische Rettungssituationen und einsame Helden mag, der wird nicht enttäuscht - aber auch nicht überrascht. Filmisch gibt es eher gute Hausmannskost als kreative Küche. Unerwartete Wendungen der Story wirken konstruiert und manches wird bis zum Ende nicht aufgeklärt.
Nach Charakterstücken wie "The Sixth Sense" (1999) und Komödien wie "Bandits" (2001) ist Bruce Willis zum Actionfilm zurückgekehrt. Auch mit fast 50 Jahren - Geburtstag feiert er am 19. März - macht er eine überzeugende Figur. Soll "Hostage" auch finanziell ein Geburtstagsgeschenk für Willis werden, muß er auf seine treuen Action-Fans hoffen.
Hostage - Entführt USA 2005, 113 Min., ab 16 J., R: Florent Emilio Siri, D: Bruce Willis, Kevin Pollak, Jonathan Tucker, im Cinemaxx, Cinemaxx Harburg, Cinemaxx Wandsbek, Grindel (auch OF), Hansa-Studio, alle UCIs, UFA-Palast; Internet: www.hostage-derfilm.de



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