Dienstag, 14. Februar 2012, 10:38

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Kino

Mord und Totschlag: Das ist doch mal ein netter Zug!

Eine rabenschwarze Retro-Komödie: "Verschwörung im Berlin Express"

Nicht mal von einseitiger Begabung kann bei Gunnar Wren (Gustav Hammarsten) entschuldigend die Rede sein. Seine intellektuellen Qualitäten als Autor und Wittgenstein-Experte sind so bescheiden wie sein Gespür als Lektor im Jahr 1945. Astrid Lindgren? Nein, die wird niemals jemand lesen, lautet Gunnars letztes Urteil, bevor er sich auf große Fahrt begibt. Der Berlin-Express soll den Schweden zur Weihnachtszeit von Stockholm nach Berlin bringen, wo er sich am Wiederaufbau des zerstörten Nachkriegs-Europa beteiligen will.

Mit ihm sind illustre Reisende unterwegs. Ein fieser Arzt zum Beispiel, der mit seiner schönen Geliebten seine ebenfalls im Zug reisende Ehefrau ermorden will. Oder das alte schwule Pärchen, dessen Liebe erst devote Sado-Maso-Schikanen richtig befeuern. Dazu gesellen sich baltische Flüchtlinge, vom Glauben abfallende Nonnen und auch ein Kriegsversehrter, der dem stets zu hilfsbereiten Gunnar öfter begegnet, als ihm gut tut. Womit wir bei Gunnars praktischen Talenten wären. Und die fangen bei unbeabsichtigter Massenvergiftung und versehentlicher Menschenverbrennung noch harmlos an.

Mit seiner charmanten Mischung aus schwarzem Thriller, Film Noir und Slapstick begibt sich der schwedische Regisseur Peter Dalle (der selbst als Zug-Schaffner mitwirkt) in die Welt des Kinos der 40er Jahre. Kurzweilig spielt er mit Motiven alter Klassiker wie "Mord im Orient-Express" oder Hitchcocks "Der Fremde im Zug". Der Rückgriff auf vermeintlich antiquierte Aufnahmetechniken wie Hitchcocks Vertigo-Effekt (die gleichzeitige und gegenläufige Kamerabewegung durch Fahrt und Zoom), klassische Rückprojektion und Schwarzweiß-Bilder verleihen dem Film seine stimmige nostalgische Aura. Und tatsächlich gilt wie für Hitchcock auch für Dalle der oft als Leitmotiv zitierte Wittgenstein-Satz: "Nichts ist wie es scheint." Sehenswert!

Verschwörung im Berlin-Express Schweden 2003, 100 Minuten, ab 12 Jahren, R: Peter Dalle, D: Gustaf Hammarsten, Robert Gustafsson, Gösta Ekman jun., täglich im Abaton, 3001 (OmU), Zeise; Infos im Internet: www.verschwoerung-im- berlin-express.deMARCELO MILLOT

 

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