Einfach mal fröhlich durch die Walachei wanken
"Die Reise ins Glück" von Wenzel Storch ist ein unorthodoxer Spaß
Obacht, dieser Film ist der komplette Wahnsinn. Zusammenphantasiert unter Aufbietung aller Kräfte von einem genialen Quartalsirren: Regisseur Wenzel Storch. Jahrelang hatte der in einer Lagerhalle bei Hildesheim mit 60 Tonnen Altmetall, Sperrmüll und Strandgut herumgewerkelt, um sein Filmset aufzubauen, dann kamen die Schauspieler, darunter auch ein Bär, Frösche, ein Hamster sowie diverse tote Wachteln, hinzu - und nun ist "Die Reise ins Glück" fertig.
Was der wirre Verwurster von Märchen, Mythen und Gegenwartskultur da eigentlich erzählt, ist schwer in Worte zu fassen, scheint der Film doch - jedenfalls streckenweise - nach dem Prinzip der freien Assoziation gedreht worden zu sein. Auf jeden Fall aber spielt ein guter König mit und ein böser. Und dann gibt es da einen U-Boot-Kapitän, der ein Liebchen hat. Und einen Bären (Stimme: Harry Rowohlt), der sich erbrechend durch die Walachei wankt. Und zwei an Neandertaler erinnerende Wächter, die Dialoge wie "Alter, alles aus Stahl! - "Das sind Stalinisten, Alter" ablassen. Daß zwischendurch Gehirne gewaschen werden oder unvermittelt die schon erwähnten Wachteln explodieren, verwundert da kaum noch.
Doch so seltsam es bei dieser Inhaltsübersicht vielleicht erscheinen mag: "Die Reise ins Glück" ist ein großer Spaß, fröhlich-frech dahindelirierend und sich einen Schnurz um irgendwelche Genre-Konventionen (welches Genre überhaupt?) kümmernd. Hinterher möchte man sich zwar erst mal mit einem Fernsehklassiker wie "Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands" (täglich in der ARD) neu erden, aber das ist die Sache wert.
Die Reise ins Glück Deutschland 2004, 73 Minuten, ab 16 Jahren, R: Wenzel Storch, D: Jürgen Höhne, Jasmin Harnau, Holger Müller, täglich im 3001; Internet: www.wenzelstorch.de



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