Die Jagd nach dem Rock-'n'-Roll-Mythos
"Metallica - Some Kind Of Monster" zeigt, wie ein Album entsteht
Den Job hatten sich die Regisseure Joe Berlinger und Bruce Sinofsky ("Das verlorene Paradies: Die Kindermorde in Robin Hood Hills") sicher anders vorgestellt. Von der Rockband Metallica waren sie 2001 angeheuert worden, um die Studioaufnahmen zur aktuellen CD "St. Anger", erschienen im vergangenen Jahr, zu dokumentieren.
Doch um die Musik wird es im folgenden nur am Rande gehen. Bassist Jason Newsted hatte die Band kurz zuvor verlassen. Die verbliebenen Bandmitglieder James Hetfield (Gitarre und Gesang), Lars Ulrich (Schlagzeug) und Kirk Hammett (Gitarre) stehen plötzlich mit "no riffs, no songs, no titles, nothing" im provisorisch eingerichteten Studio auf einem verwaisten Militärgelände in San Francisco. Produzent Bob Rock wird kurzerhand zum Bassisten verdonnert, Fünfter im Bunde ist der Therapeut Phil Towle, der auf Geheiß des Managements versucht, das brüchige Gruppengefüge zu kitten. Zuviel steht auf dem Spiel.
Besonders Hetfield fühlt sich sichtlich unwohl, sich vor der Kamera zu öffnen. Immer wieder kommt es zum Streit mit Ulrich, knallen wie bei Lubitsch die Türen. Neid, Mißverständnisse, Machtkämpfe - zwei starke Persönlichkeiten treffen aufeinander und geben nicht nach. Schließlich verschwindet James Hetfield für ein Jahr (und damit für eine halbe Stunde aus dem Film), um eine Entziehungskur zu machen. Natürlich wird das Album doch noch fertig.
Interessant zu beobachten, wie die Songs patchworkartig zusammengesetzt werden - als sei es Frankensteins Monster, wie Ulrich bemerkt. "Wo fängt ein Kunstwerk an, wo hört es auf?" hatte er zu Beginn des Films zu bedenken gegeben, auf ein Gemälde aus seiner Sammlung zeigend, um die Frage dann auf einen Metallica-Song zu übertragen. Der künstlerische Prozeß als Arbeit ohne Schlußstrich, als endlose Schleife, die nie zufriedenstellt.
Doch hier geht es auch um andere Monster: Alkohol, Kindheitstraumata, das Musikgeschäft. Unwillkürlich fragt man sich, warum die Musiker noch immer dem Mythos der Rock-Heroen hinterherjagen. Nötig hätten sie es längst nicht mehr. Michael Ranze
Metallica - Some Kind Of Monster USA 2003, 139 Min., ab 16 J., R: Joe Berlinger, Bruce Sinofsky, D: James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett, Robert Trujillo, täglich im UCI Mundsburg; Internet: www.some-kind-of-monster.de



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