Dienstag, 14. Februar 2012, 20:06

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kino

Ein Denkmal für den Schnäppchenjäger

"American Splendor" ist ein großer Film über das kleine, kaum bedeutende Leben des Comic- Erfinders Harvey Pekar

Erstaunlich, aber wahr: Mittelmaß kann durchaus fesselnd sein. Zumindest im Fall von Comic-Autor Harvey Pekar, dem "American Splendor" ein filmisches Denkmal setzt. Glamour jedenfalls sucht man vergebens im Leben des heute 65jährigen, der dreieinhalb Jahrzehnte als kleiner Angestellter in einem Krankenhausarchiv Mappen mit Patientendaten sortierte. Dabei hatte Pekar seit Ende der 70er Jahre eigentlich gar keinen Grund mehr, der Welt ständig mißmutig entgegenzutreten. Damals lernte er den Zeichner Robert Crumb kennen, der von seiner Idee eines Comics mit Alltagsgeschichten so überzeugt war, daß er die Illustration übernahm. Das Ergebnis, "American Splendor", fand zunächst den Weg in die Underground-Comicläden und erreichte bald eine immer größere Leserschaft. Für Pekar, den fanatischen Plattensammler, änderte sich jedoch erst mal nichts. Noch immer zog er einsam seine Bahnen, aß am Wochenende kalte Spaghetti aus der Dose und durchwühlte auf privaten Garagenflohmärkten Ramschkisten, immer auf der Suche nach Schnäppchen.

Dem Regie-Duo Shari Springer Berman und Robert Pulcini ist es nun gelungen, dieses 08/15-Leben in einem erstaunlich unterhaltsamen Film abzubilden. Das liegt zum einen an der perfekten Besetzung der Hauptrolle mit Paul Giamatti: Sein Harvey Pekar ist mal grummelig, mal verbohrt, mal verschüchtert - und bleibt in seinem kruden Einzelgängertum doch immer sympathisch. Wobei auch ihm sich der enge Käfig des einsamen Sonderlings irgendwann öffnet - als die "American Splendor" liebende Comic-Händlerin Joyce Brabner in sein Leben tritt. Daß sie wesensverwandt sind, merken die beiden schon beim ersten Treffen, als weder das Chaos in Harveys Wohnung noch Joyces Übelkeitsattacke vor dem ersten Kuß den Lauf der Dinge zu stören vermögen.

Erstaunlich ist auch die dramaturgische und visuelle Umsetzung dieser Lebensgeschichte. Springer Berman und Pulcini lassen nämlich als Kommentatoren immer wieder den echten Harvey Pekar und seine Frau Joyce auftreten. Dazu gibt's unter anderem von Robert Crumb gezeichnete Ausschnitte aus "American Splendor" und Dokumentaraufnahmen, zum Beispiel von Pekars legendären Auftritten in David Lettermans Late Night Show. Damals, in den 80ern, genoß Harvey Pekar tatsächlich einigen Ruhm - und blieb sich doch treu. Weil er sich nicht an die Regeln des Showbiz halten wollte und mit seinen unbequemen politischen Ansichten nicht hinterm Berg hielt, wurde ihm irgendwann bei Letterman der Stuhl vor die Tür gesetzt. Kaum verwunderlich auch, daß er seinen Keller-Job im Krankenhaus bis zur Pensionierung im Jahre 2001 nicht aufgab.

Spektakel war seine Sache nie und ist es bis heute nicht - da paßt dieser feine kleine Film ganz wunderbar. Holger True

American Splendor USA 2002, 101 Min., ab 12 J., R: Shari Springer Berman, Robert Pulcini, D: Paul Giamatti, Harvey Pekar, Hope Davies, James Urbaniak, täglich im Abaton; www.tiberiusfilm.de

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus