Dienstag, 14. Februar 2012, 20:06

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Kino

"Nur meine Frau weiß, was wirklich gut für mich ist"

Harvey Pekar über seine Rolle in dem Film "American Splendor", das Zeichnen von Comics und sein Leben als Rentner

ABENDBLATT: Herr Pekar, was ist es für ein Gefühl, noch zu Lebzeiten zu einer Filmfigur zu werden?

HARVEY PEKAR: Das hat mir gefallen. Ich bin auch schon in Theaterstücken porträtiert worden - und natürlich in meinen Comicbüchern. Außerdem bin ich schon in ein paar Dokumentarfilmen aufgetreten. Es war also für mich nicht so ungewöhnlich, mich auf der Leinwand zu sehen. Ich war aber positiv überrascht, wie gut der Film geworden ist. Produzent Ted Hope und die beiden Regisseure Robert Pulcini und Spinger Berman haben wunderbare Arbeit geleistet. Wissen Sie, man bekommt ja eine Menge Geld, wenn man an einem Film mitarbeitet. Ich hätte also mit so ziemlich jedem gearbeitet, der einen Film über mich machen will. Ich stand ja kurz vor meiner Pensionierung von meinem Job als Aktenverwalter im Krankenhaus, und ich bekomme keine besonders üppige Rente. Aber ich habe eine Tochter, die ich aufs College schicken will. Ich hätte also auch meine Zusage gegeben, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, daß dabei ein miserabler Film rausgekommen wäre. Aber ich habe Glück gehabt (lacht).

ABENDBLATT: Sie würden sich also für Ihre Rente verkaufen?

PEKAR: Absolut. Ich hätte den Leuten dann zwar gesagt, daß der Film schlecht ist. Aber ich rechne es mir nicht an, daß der Film was geworden ist. Die Filmemacher waren sehr kompetent, ich schätze mich glücklich, mit ihnen gearbeitet zu haben. Ich habe Horrorgeschichten von anderen Autoren gehört, deren Ideen während des langen Prozeß des Filmemachens ruiniert wurden. Aber ich habe eben das Geld gebraucht.

ABENDBLATT: Macht es Ihnen etwas aus, daß Sie mittlerweile eher wegen des Films bekannt sind und nicht so sehr wegen Ihrer Comics?

PEKAR: Das ist schon o. k. Natürlich wäre es mir lieb, wenn die Leute auch die Comics kaufen würden. Aber mittlerweile verkaufen sie sich ja ganz gut. Sie sind selbst ins Japanische übersetzt worden. Ich bin also zufrieden, mit dem was ich habe. Aber ich wäre natürlich noch zufriedener, wenn ich noch mehr hätte.

ABENDBLATT: Wie würden Sie den Film beschreiben?

PEKAR: Es ist ein ziemlich innovativer Film. Die Tatsache, daß die Regisseure verschiedene Genres vermischt haben und ich sowohl real, als Schauspieler und als Comicfigur zu sehen bin, unterscheidet "American Splendor" sehr von dem üblichen Kram.

ABENDBLATT: Schauen Sie sich häufig Filme an?

PEKAR: Nein. Nur wenn meine Frau mich zwingt. Sie weiß, was gut für mich ist. Ich mache einfach, was sie will. Früher habe ich gern Komödien gesehen. Und mir gefallen die italienischen Filme der 40er und 50er Jahre. Im allgemeinen finde ich europäische Filme interessanter als amerikanische.

ABENDBLATT: Sie sind ja mittlerweile in Rente. Was machen Sie denn den ganzen Tag?

PEKAR: Ich schreibe. Meine Rente reicht nicht aus, um meiner Tochter das Studium zu finanzieren. Ich versuche also, soviel Geld wie möglich zu verdienen. Ich habe einen Vertrag mit Random House abgeschlossen und werde für sie vier Bücher schreiben. Außerdem habe ich für DC Comics, die "Superman" veröffentlicht haben, ein Comicbuch geschrieben. Außerdem habe ich eine Agentin, die mir Engagements als Redner an Universitäten besorgt. Für Geld tue ich fast alles.

ABENDBLATT: Worüber reden Sie denn vor den Studenten?

PEKAR: Über den Film. Oder über die Gründe, warum ich Comics schreibe und nicht Romane, denn das fragen mich die Leute immer wieder. Ich beantworte ihre Fragen, dann schreibe ich Autogramme, dann fotografieren sie mich, und dann gehe ich wieder heim (lacht).

ABENDBLATT: Sie schreiben Autogramme? Wenn man den Film gesehen hat, will man nicht glauben, daß Sie mit dem Konzept des Stars etwas anfangen können.

PEKAR: Ich weiß, was Sie meinen. Aber ich schreibe Autogramme, um alle glücklich und zufrieden zu machen. Ich will ja schließlich wieder eingeladen werden und weitere Rednerjobs landen (lacht). Diese Reden sind nämlich gut bezahlt.

ABENDBLATT: Haben Sie die Debatte zwischen Bush und Kerry im Fernsehen verfolgt?

PEKAR: Nein. Wenn ich sehe, was in diesem Land abgeht, ist das schlimm genug. Und ich bekomme schlechte Laune, wenn ich Bush sehe. Nicht, daß Kerry ein Heiliger wäre. Aber Bush hat so ziemlich in allem unrecht, was er macht. Er ist ja auch nur eine Marionette der großen Unternehmen. Und das Schlimmste ist: Der Typ wird wieder gewinnen, da bin ich mir ziemlich sicher. Den Leuten ist es anscheinend egal, was für einen schlechten Job er macht. Der Typ macht mich krank. Ich hatte keine Lust, mir den Mist anzuhören, den er erzählt. Deshalb habe ich den Fernseher erst gar nicht angemacht.

ABENDBLATT: Was schauen Sie sich üblicherweise abends an: David Letterman oder Jay Leno?

PEKAR: Ich gehe früh zu Bett - und von diesen Shows halte ich sowieso nichts. Die haben ja wenig Substanz. Interview: Frank Geissler

 

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