Dienstag, 14. Februar 2012, 16:59

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Kino

Zu viel Ruhm und Reichtum

Der Regisseur und Schauspielter Takeshi Kitano über seinen neuen Film "Zatoichi"

ABENDBLATT: Warum spielt der Tod in Ihren Filmen die Hauptrolle?

TAKESHI KITANO: Kein Mensch kann entscheiden, wann und auf welche Weise er leben will, aber jeder von uns kann wählen, wie und wann er sterben will. Es ist einfach, den Tod und unsere Sterblichkeit zu ignorieren und diese unangenehmen Dinge ein Leben lang zu verdrängen. Aber den Tod kann man einfach nicht loswerden, er arbeitet ständig hinter deinem Rücken, und man weiß nie, wann er seinen hässlichen Kopf zeigt. Ich finde es unnatürlich, Leben und Tod als zwei verschiedene Elemente zu sehen. Je mehr man sich des Todes bewusst ist, desto mehr macht man sich klar, auf welche Weise man lebt. Natürlich will niemand gern sterben, aber ich bin darauf vorbereitet, in jedem Moment sterben zu können. Ich bin nicht besessen von der Idee des Todes, ich bin genauso besessen von der Idee zu leben.

ABENDBLATT: Haben Sie diesmal bei den Kampfszenen auf computeranimierte Spezialeffekte zurückgegriffen, um das Blut noch spektakulärer spritzen zu lassen?

KITANO: Ich habe versucht, bei den Schwertkämpfen mit der Körpersprache und der Kamera zu tricksen. Das war nicht ganz unproblematisch: Da ich einen blinden Masseur und verkappten Samurai spiele, war es unmöglich, mit geschlossenen Augen das Schwert zu wechseln. Aus diesen Gründen musste ich auf Computeranimation zurückgreifen. Die meisten visuellen Effekte zielten darauf, das Blut so übertrieben spritzen zu lassen, dass die Gewalt beinahe an Zeichentrickfilme oder Videospiele erinnerte. In "Zatoichi" lassen sich eine Menge guter und böser Jungs gegenseitig über die Klinge springen. Im Laufe des Films muss man irgendwann aufhören, die Toten zu zählen. Ich wollte nicht, dass der Zuschauer das Gemetzel als schmerzhaft empfindet. Daher sollten das Blut und damit auch die Gewalt eine eher virtuelle Dimension haben.

ABENDBLATT: Bisher waren Ihre Filme vor allem in Japan und Frankreich erfolgreich. Wollen Sie mit dem Schwertkämpfer-Film "Zatoichi" jetzt auch die US-Zuschauer erobern?

KITANO: Ehrlich gesagt habe ich durch meine Fernsehsendung in Japan in den vergangenen 20 Jahren schon genug Ruhm und Reichtum angesammelt. So viel, dass ich in meiner Heimat kein normales Leben mehr führen kann. Einfach auf der Straße zu spazieren ist unmöglich geworden. Auch hier in Venedig habe ich nur ein paar Schritte aus meinem Hotel gemacht und war sofort umringt von Autogrammjägern und Fotografen. Eigentlich wollte ich mir nur 50 Meter weiter das Plakat meines Film ansehen, aber für die kurze Strecke habe ich dann eine halbe Stunde gebraucht! Was soll ich machen? Ich will wenigstens in Italien frei herumlaufen können, ohne von meinen Fans belästigt zu werden. Kurz: Ich habe die Nase voll von meiner Berühmtheit in Japan. Daher brauche ich davon auch nicht noch mehr in anderen Teilen der Welt.Interview: MARCUS ROTHE

 

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