Eine rührende Hommage für die unbekannte Seite des Blues
Die Doku "The Road To Memphis" ist eine Entdeckungsreise
Wer dem Blues auf der Spur ist, kommt an Memphis nicht vorbei. Und so hat sich der amerikanische Regisseur Richard Pearce ("Brüder wider Willen" und vier Oscars für seine Arbeit als Kameramann, darunter "Woodstock") auf den Weg nach Tennessee gemacht, um dort nach bekannten und unbekannteren Musikern zu suchen.
Sein Film "The Road To Memphis" ist eine musikalische Entdeckungsreise und anschauliche Landeskunde zugleich. Gefunden hat er unter anderem Rosco Gordon. Der Blues-Veteran war in den 40er- und 50er-Jahren einer der bekanntesten Pianisten in Memphis, dessen musikalisches Zentrum damals in der bekannten Beale Street lag. Seine Wiederentdeckung durch Pearce bildet die erzählerische Klammer für den Film. Es ist rührend zu sehen, wie der alte Mann, der sich jahrelang mit Hilfe von Gelegenheitsjobs durchschlug, noch einmal durch die Straßen geht und Bekannte trifft. Am Ende steht er sogar noch einmal mit einer All-Star-Band auf der Bühne.
Pearce hat für seinen Beitrag zu dem von Martin Scorsese initiierten Blues-Projekt, das in den deutschen Kinos mit Wim Wenders "The Soul Of A Man" gestartet ist, ein buntes Kaleidoskop aus Musik- und Zeitgeschichte zusammengestellt. Zwar lässt er auch Größen wie B.B. King, Sam Phillips und Ike Turner zu Wort oder auf die Bühne kommen, aber sein Film lebt besonders von den unbekannteren Musikern wie Bobby Rush, der unermüdlich mit seinem Bus auf dem so genannten Chitlin Circus tourt. Das ist die Gemeinde der schwarzen Nachtclubs und Dance-Halls, in denen die Musiker ein dankbares Publikum finden. Rush, Anfang 60, glaubt, dass er kurz vor dem ganz großen Durchbruch steht.
Der Film brachte Rosco Gordon ein kurzes Comeback. Er starb kurz nach dem Ende der Dreharbeiten. Die gepackten Koffer für das nächste Konzert standen schon im Flur. Volker Behrens
The Road To Memphis USA 2003, 90 Minuten, ohne Altersbeschränkung, R: Richard Pearce, D: B.B. King, Ike Turner, Rufus Thomas, Sam Phillips, täglich im Abaton (OmU); Infos im Internet: www.pbs.org/theblues



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