Hans Söllner - ein rebellischer Alpen-Rasta
Seine Konzerte seien wie ein Gottesdienst für ihn, sagt ein Fan von Hans Söllner - und der Rest der Konzertbesucher stimmt ihm wohl zu. Mit Inbrunst in der Stimme und mit THC-geschwängertem Blick fallen sie in die Gesänge des Alpen-Rastas ein. In bayerischer Mundart kämpft der Reggae-Barde gegen Beckstein und Bush, Krieg und Unfreiheit - und für die Haschisch-Legalisierung. Seit mehr als zwei Jahrzehnten schon. Die Hausdurchsuchungen auf seinem Bauernhof, seine Kiffer-Selbstanzeigen bei der Polizei und die zahlreichen Prozesse gegen ihn sind zu Performances geworden und nahezu Kunst-Events - so aufrüttelnd in der Atmosphäre bayerischer Engstirnigkeit wie notwendig für die Karriere des Provinz-Stars, dessen Stern inzwischen weit über die Alpen hinaus leuchtet.
Mit Sympathie porträtiert Filmemacher Andi Stiglmayr den 48-jährigen Söllner, dessen Platten sich trotz Boykotts der Radiostationen bis zu 100 000-mal verkaufen, begleitet ihn zu Konzerten, Prozessen und seiner Ex, lässt ihn schimpfen und erzählen und beobachtet ihn bei - natürlich nackter - Abkühlung im See.
Es ist beeindruckend, mit wie viel Überzeugung und Elan Söllner nicht nur die Tüten, sondern auch sein Ding durchzieht. Doch eines kann der Berufs-Anarcho nicht verbergen: dass er dabei längst in seinem eigenen Klischee erstarrt ist - noch mehr sogar als die stockkonservative bayerische Trachtengruppe, die - zu ihrem aufmüpfigen Landessohn befragt - harsche Worte findet, aber auch grantelnde Sympathie.
Der bayerische Rebell D 2003, 92 Min., ab 12 Jahren, R: Andi Stiglmayr, täglich im 3001; Internet: www.derbayerischerebell.de



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