Dienstag, 14. Februar 2012, 20:32

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Kino

Kampf hinter Justitias Kulissen

"Das Urteil" nach dem Roman von John Grisham ist spannend und großes Starkino

Das Rechtssystem in den USA hat Blüten getrieben, deren Funktion sich außenstehenden Beobachtern nur schwer erschließt. Beispiel Geschworenensystem: Idealerweise unabhängig soll die Jury über die Schuldfrage entscheiden. Tatsache ist aber, dass Kläger und Beklagter schon bei der Auswahl der zwölf Geschworenen ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Daraus hat sich ein ganzer Berufszweig entwickelt; gang und gäbe ist, dass so genannte Geschworenen-Berater bei der Besetzung des Dutzends und im Verlauf der Prozesse mit allen Mitteln versuchen, die Jury im Sinne ihres Auftraggebers zu beeinflussen. Diese Dunkelgrauzone rund ums Recht hatte John Grisham 1996 in seinem Thriller "Das Urteil" aufgehellt; Gary Fleder ("Sag kein Wort") hat den Roman mit Stars und dem Untertitel "Jeder ist käuflich" verfilmt.

Stand in der Vorlage noch die Tabakindustrie im Blickpunkt, hat die Realität die Fiktion überholt und das Team der Drehbuch-Autoren den Fokus zeitgemäß auf einen Waffenhersteller gerichtet. Der sieht sich mit der Millionenklage einer Witwe konfrontiert, deren Mann Opfer eines Amokschützen wurde: Fahrlässige Versorgung des Mörders mit Mordwerkzeugen lautet der Vorwurf. Die Frau wird vertreten vom altmodisch integren, auf Fairness bedachten Anwalt Wendell Rohr (Dustin Hoffman), dem seine Zuneigung zu Underdogs schon am schlecht sitzenden Anzug anzusehen ist. Sein Widerpart ist Jury-Consultant Rankin Fitch (Gene Hackman); ein arroganter Fiesling, der die Geschworenen aus einer Hightech-Zentrale heraus bespitzelt und erpresst. Doch zwischen David und Goliath hat sich ein Maulwurf gewühlt, den auch Fitch falsch eingeschätzt hat: der vordergründig einfältige Geschworene Nick Easter (John Cusack). Er ist in der Lage, mittels subtil angewandter Psychologie jedes Jurymitglied in jede Richtung zu manipulieren. Und wenig später bietet eine geheimnisvolle junge Frau (Rachel Weisz) sowohl Fitch als auch Rohr an, gegen zehn Millionen Dollar die Jury im Sinne des Zahlenden entscheiden zu lassen . . .

Fleder inszeniert das Geschacher und den dramatischen Kampf hinter Justitias Kulissen im pittoresken Stadtbild von New Orleans atmosphärisch dicht; bei den Beratungsrunden der Geschworenen in einem Hinterzimmer etwa meint man, als Zuschauer mittendrin zu sitzen. Mit manchmal schnellen Schnitten, analytischen, zuweilen entlarvenden Close-ups von Gesichtern und wohl dosierten Action-Effekten benutzt er routiniert eine an- und aufregende Bildsprache. Getragen wird "Das Urteil" aber vor allem von den Stars: Hackman gibt den Zyniker mit Wonne und Können, Hoffman (zum ersten Mal gemeinsam mit Hackman vor der Kamera) den Gutmenschen nicht minder gut, und Cusack war selten so stark wie in dieser Rolle.

Ob Fleder eine Botschaft transportieren will und wie geschickt er das gegebenenfalls macht, darüber möge der Zuschauer urteilen. Den Kinobesuch wird er nicht bereuen: "Das Urteil" unterhält spannende 138 Minuten lang.

Das Urteil USA 2003, 138 Minuten, ab 12 Jahren, R: Gary Fleder, D: John Cusack, Gene Hackman, Dustin Hoffman, Rachel Weisz, tägl. im Cinemaxx Wandsbek, Grindel (auch OF), UCI Mundsburg und Othmarschen-Park, UFA-Palast; Internet: www.dasurteil-derfilm.deJÖRG MALKE

 

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