Dienstag, 14. Februar 2012, 12:57

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Kino

Ein Film, der sich nicht entscheiden kann: Doku oder Fiktion?

Marceline Loridan-Ivens' "Birkenau und Rosenfeld"

Der Schrecken der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie ist mit Bildern nicht zu beschreiben. Für Überlebende ist er kaum auszusprechen. Also drehte die französische Regisseurin Marceline Loridan-Ivens einen Film über die Leere. In Birkenau und Rosenfeld zeigt sie den Ort des Schreckens in seiner nackten Existenz. Es ist keine reine Fiktion, denn die Geschichte von Myriam ist auch ihre eigene Geschichte. 40 Jahre hat sie gebraucht, um sie für das Drehbuch aufzuschreiben.

Anouk Aimee ist die ernste, würdevolle Myriam. Eine jüdische Filmemacherin, die in Paris bei einem Treffen die Leidensgenossinnen von einst wieder trifft. Als 14-Jährige erlebte sie den Horror der Deportation und landete für zwei Jahre im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Jetzt gewinnt sie ein Ticket nach Krakau - und kehrt an den Ort des Dramas zurück.

Der Film benutzt kaum Worte; er kommt fast ohne Handlung aus. Er zeigt Myriams Gesicht auf der Zugfahrt. Im Hotel, wo sie ihre Gedanken in Briefen niederschreibt. Im Lager. Hohes Gras weht geisterhaft um die Baracken. Hier trifft sie auf den jungen Fotografen Oskar, gespielt von August Diehl, der versucht, die eigene Nazi-Familiengeschichte aufzuarbeiten. Das ungleiche Paar nähert sich an.

Sie habe nie mehr so viel Liebe erfahren wie hier, schreibt Myriam. Solche Bekenntnisse erschüttern in all der Stille und Leere. Wenn überhaupt sind es ihre Gedanken, die sprechen. Oder die Fotos, die Oskar schießt, um das Unsichtbare zu zeigen. Wenn beide einen Club besuchen, blitzt der Hunger nach dem normalen Leben auf.

Das Manko: Der Film entscheidet sich nicht eindeutig zwischen Dokument und Fiktion. Diese Zwitterstellung raubt ihm die Tiefenschärfe, um die es der Regisseurin doch letztlich ging.

Birkenau und Rosenfeld F/D 2002, 90 Minuten, ab 12 Jahren, R: Marceline Loridan-Ivens, D: Anouk Aimee, August Diehl, Marilu Marini, täglich im Abaton; Internet: www.academy-films.comANNETTE STIEKELE

 

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